Letztes Update am Mi, 17.09.2014 16:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Markt

Milch um 49 Cent: Bauern empört über „Schleuderaktion“

Der Diskonter Penny zieht mit einem Lockangebot den Ärger der Bauern auf sich. Milch werde um 49 Cent verschleudert, ärgern sich Landwirtschaftskammer und Bauernbund und sprechen von einer respektlosen Aktion. Sogar die Wettbewerbsbehörde wurde eingeschaltet.

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Wien, Innsbruck - Ein Liter Milch mit AMA-Gütesiegel ab zwei Packerln um 49 Cent: Diese Aktion bei Penny, Diskonter des größten heimischen Lebensmittelkonzerns REWE, hat am Dienstag sowohl Landwirtschaftskammer als auch Bauernbund auf die Palme gebracht. Der Bauernbund kündigte an, eine Eingabe bei der Bundeswettbewerbsbehörde zu tätigen - man ortet eine „Wettbewerbsverzerrung“. REWE verteidigt das Angebot.

Landwirtschaftskammer: „Respektlose Aktion“

„Die Bundeswettbewerbsbehörde soll den Fall auf die geltenden gesetzlichen Grundlagen des Wettbewerbsrechtes hin prüfen“, verlangte ÖVP-Bauernbund-Direktor Johannes Abentung. Tirols Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger fordert den sofortigen Stopp dieser Vermarktungskampagne. „Mit dieser Schleuderaktion zeigt die Supermarktkette Penny, dass eine nachhaltige, faire Partnerschaft mit den Bauernfamilien für sie keinen Wert hat. In der Werbung transportiert der REWE-Konzern nur zu gerne idyllische Bilder von heimischen Qualitätsprodukten, nachhaltig produziert von unseren Bäuerinnen und Bauern. Ich lasse es aber nicht zu, dass unsere Milchbauern für eine solche Kundenfängerei instrumentalisiert werden“, so Hechenberger in einer Ausendung.

Der mitteleuropäische Milchmarkt sei durch den Importstopp nach Russland bereits sensibel, da die Milchproduzenten und Milchverarbeitungsbetriebe nach alternativen Märkten suchen müssen. „Wir Milchbauern produzieren trotz gestiegener Betriebs- und Futtermittelkosten zu denselben Milchpreisen wie vor 20 Jahren. Die in der Werbung dargestellte heile Welt auf Bergbauernhöfen steht in Widerspruch mit der Realität und wird von solchen Dumpingpreisen verhöhnt. Milch ist ein wertvolles Lebensmittel von höchster Qualität, deshalb sollte der Milch auch der angemessene Respekt entgegen gebracht werden - in Form von einer anständigen, gerechten und nachhaltigen Preispolitik in der Erzeugung und im Supermarktregal“, fordert Hechenberger.

Auch Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, forderte in einer Aussendung das sofortige Aussetzen der Aktion, die sich laut der Bewerbung für Freitag und Samstag auf alle Milchsorten aus dem Kühlregal bezieht. „Milch mit dem AMA-Gütesiegel ist viel zu wertvoll, um verschleudert zu werden.“ „Wir wehren uns, wenn wir zuschauen müssen, wie höchste Qualität zum Lockartikel degradiert wird“, warnte Schultes. Er warf der Kette Penny einen „unverantwortlichen und schädlichen Umgang“ mit der Milch vor.

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REWE: Aktion nicht zulasten von Bauern und Molkereien

Penny bleibt aber bei der Aktion: „Die Kosten der aktuellen Aktion tragen wir, sie geht nicht zulasten der Molkereien und Bauern“, so eine REWE-Sprecherin auf Anfrage. „Wie auch andere Mitbewerber, bietet Penny seit einiger Zeit immer wieder 1+1 Aktionen über alle Warengruppen an. Diesen Freitag und Samstag betrifft die Aktion Frischmilch und länger frische Milch. Die Aktion ist ausschließlich auf diese zwei Tage beschränkt.“

Das Penny-Flugblatt, das die Bauern brüskiert, wurde just versendet, als die Direktorenkonferenz des Bauernbundes tagte. Gemeinsam teilten sie mit, sich auch gegen das „Verschleudern von kostbaren Lebensmitteln, die von unseren Bauern in tagtäglicher Arbeit hergestellt werden“, wehren zu wollen. Das Angebot sei „mit Sicherheit ein absolutes Negativbeispiel der viel beworbenen Partnerschaft des Handels mit den österreichischen Bauern“.

„Kein Ruhmesblatt für die Handelsbranche“

Nicht nur die Art des Angebots, vor allem auch der Zeitpunkt macht die Bauern fast fassungslos: Erst unlängst habe die gesamte heimische Handelslandschaft angesichts der Russland-Importsperren werbewirksam Solidaritätsbekundungen an die Bauern geschickt - Stichwort Äpfel. „Dass jetzt einzelne Handelsketten ausscheren, mit Lockpreisen auf radikalen Kundenfang gehen und sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollen, ist nicht nur kein Ruhmesblatt für die Handelsbranche, sondern ein Thema, das sich auch die Behörde ganz genau anschauen muss“, sind sich die Bauernbund-Direktoren einig. (TT.com/APA)