Letztes Update am Mi, 27.05.2015 06:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Sandoz schließt Werk in Frankfurt, Kundl profitiert

Große Teile der Produktion von Antibiotika-Wirkstoffen samt Arbeitsplätze aus Frankfurt sollen nach Kundl verlegt werden.

Zwischenprodukte und Wirkstoffe für die Antibiotika-Herstellung von Sandoz sollen künftig nur noch in Kund produziert werden.

© Sandoz GmbHZwischenprodukte und Wirkstoffe für die Antibiotika-Herstellung von Sandoz sollen künftig nur noch in Kund produziert werden.



Frankfurt, Kundl – Die Schweizer Pharmafirma Novartis will ihr Werk Sandoz Industrial Products im Industriepark Höchst bei Frankfurt bis Ende 2016 schließen. Davon sind mehr als 300 Beschäftigte betroffen, deren Jobs mit der Schließung der Anlagen wegfallen. Der Standort Kundl dürfte davon profitieren.

Das Unternehmen wolle wegen des Preisverfalls Zwischenprodukte und Wirkstoffe für die Antibiotika-Herstellung künftig nur noch für den Eigenbedarf produzieren und nicht mehr im großen Umfang für Dritte, teilte die deutsche Gewerkschaft IB BCE gestern in Frankfurt mit. Die Herstellung für den Eigenbedarf soll nach Kundl in Tirol verlagert werden, wie ein Sprecher der Sandoz-Gruppe Deutschland bestätigte. Wie viele Jobs tatsächlich in Kundl dazukommen werden, ist indes noch nicht bekannt. „Was die Werksschließung in Frankfurt für den Standort Kundl bedeutet, ist noch Gegenstand von Verhandlungen“, teilte eine Sprecherin mit. An den zwei Tiroler Sandoz-Produktionsstandorten Kundl und Schaftenau sowie in Unterach am Attersee und bei Novartis Pharma in Wien sind insgesamt 4600 Mitarbeiter beschäftigt.

In Höchst stellt Sandoz für Dritte Zwischenprodukte und Wirkstoffe für die Antibiotika-Herstellung her. „Wir befinden uns da in einem globalen Wettbewerb, die Hersteller kaufen überall ein“, zitierte die Frankfurter Neue Presse zuletzt Sandoz-Sprecher Hermann Hofmann. „Bei den Antibiotika-Klassen, die wir in Frankfurt herstellen, haben wir weltweit einen ruinösen Wettbewerb.“ In Asien gebe es Überkapazitäten anderer Anbieter, die mit Kampfpreisen auf den Markt gingen, so Hermann. Deshalb habe sich die Geschäftsführung entschieden, die Lohn-Herstellung von Zwischenprodukten und Wirkstoffen für die Antibiotika-Herstellung Dritter komplett aufzugeben. Man werde nur noch für die eigene Herstellung produzieren, das dann aber nicht mehr im Industriepark Höchst.

Die Produktion werde nach Kundl in Tirol verlagert, wo Sandoz die europaweit größte Anlage zur Antibiotika-Herstellung betreibt. Die Anlage gilt als Kompetenzzentrum; dort ist auch die Forschungsabteilung von Sandoz angesiedelt. Das Unternehmen gehört zu den größten Herstellern von Antibiotika. Pro Jahr verlassen ungefähr 190 Millionen Arzneimittel-Packungen das Werk Kundl, die in mehr als hundert Ländern eingesetzt werden.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Der Betriebsrat in Deutschland reagiert indes empört auf die Schließung. „Wir produzieren in Höchst billiger und besser als das Werk in Kundl“, erklärte Betriebsratschef Helmut Heun. Das Unternehmen will mit dem Betriebsrat jetzt verschiedene Optionen diskutieren, sagte der Sandoz-Sprecher. (APA, TT)