Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.07.2015


Tirol

Heiße Debatte um hitzefrei

Nachdem in der Steiermark während der Hitzewelle zwei Bauarbeiter tot zusammengebrochen sind, fordert die Gewerkschaft, „die Bauarbeiter zu schützen“.

© APA/Barbara GindlDie Hitze machte den Bauarbeitern zu schaffen. (Symbolfoto)



Innsbruck – Tot. Zusammengebrochen nahe der Baustelle. Zwei Männer kollabierten diese Woche in der Steiermark am Bau und starben. Vermutlich wurden die Todesfälle durch die große Hitze mit ausgelöst. Der ÖGB forderte daraufhin gestern, auch in Tirol „die Bauarbeiter zu schützen“, und kritisierte, dass von der gesetzlichen Möglichkeit, hitzefrei ab 35 Grad zu geben, kaum Gebrauch gemacht wurde.

Auf Anordnung des Arbeitgebers kann ab 35 Grad die Arbeit eingestellt werden. Für die Hitzestunden gebührt eine Entschädigung in Höhe von 60 Prozent, finanziert aus dem Schlechtwetterfonds. „Das betrifft in Tirol ja nur sehr wenige Tage und Stunden. Ich habe aber am Dienstag Baustellen gesehen, wo trotz großer Hitze einfach weitergearbeitet wurde“, kritisierte Christian Hauser von der Gewerkschaft Bau-Holz. Unter solchen Bedingungen zu arbeiten, sei eine enorme Belastung, sagte Hauser. Denn es würde ja oft nicht nur bei den acht Stunden am Tag bleiben. „Die Leute sind dann fertig und können sich nicht erholen, müssen am nächsten Tag schon wieder ran.“ Bei der Wirtschaftskammer Tirol verwies man darauf, dass es im Land oft große Temperaturunterschiede gibt, und bemängelt die praktische Umsetzung. „In Fiss und in Innsbruck gibt es oft ganz andere Temperaturen. Sogar in der Stadt selber. Auch ist nicht jede Baustelle gleich“, sagte Spartengeschäftsführer Matthias Marth. Es sei ihm jedenfalls keine Baustelle bekannt geworden, bei der am Dienstag – es hatte in Innsbruck 38,2 Grad als Spitzenwert – die Arbeiten eingestellt wurden.

Arbeitsmediziner Heinz Neumayer empfiehlt allen, die bei Hitze und Sonne im Freien arbeiten müssen, sich gut vor den UV-Strahlen zu schützen. Dabei sollte es mindestens eine Sonnencreme mit Schutzfaktor 30 sein, besser wäre jedoch ein 50er. Von Arbeiten mit nacktem Oberkörper rät er ab, vielmehr sollte man dafür sorgen, dass die Haut möglichst durch lockere luftige Kleidung bedeckt ist, im Idealfall durch spezielle Arbeitskleidung mit integriertem UV-Schutz. Wer nicht ohnehin mit einer Kopfbedeckung wie einem Helm arbeitet, sollte seinen Kopf vor der direkten Sonne schützen. Ansonsten droht ein Sonnenstich. Dabei kann der Körper den Kopf nicht mehr ausreichend kühlen und das Gehirn schwillt an. Die Folgen sind Übelkeit, Schwindel und Bewusstlosigkeit, im schlimmsten Fall kann die Situation lebensbedrohlich werden. Wer diese Symptome bei sich feststellt, sollte sofort in den Schatten und seinen Körper kühlen. Gefährlich an heißen Tagen kann auch eine Dehydrierung des Körpers werden. Vor allem bei trockener Hitze verdampft der Schweiß sofort und man merkt oft zu spät, dass man bereits viel Flüssigkeit verloren hat. (np, mw)