Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.07.2015


Kitzbühel

Klares Ja zu zusätzlichem Euro

Bei der Vollversammlung des TVB St. Johann stimmten die Mitglieder für die Erhöhung der Ortstaxe auf 2,20 Euro. Dem vorausgegangen ist eine lange Diskussion, Befürchtungen gibt es beim Bergbahnprojekt.

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© Claudia Egger



Von Verena Hofer

St. Johann i. T. – Bei der Vollversammlung des TVB St. Johann – Oberndorf – Kirchdorf – Erpfendorf stand die Erhöhung der Aufenthaltsabgabe am Mittwochabend zur Debatte. Vor allem das Großprojekt der Bergbahn wurde kritisch hinterfragt. Insgesamt sollen in die neue Gondelbahn inklusive Beschneiungsanlage rund 24 Millionen Euro investiert werden.

Die Erhöhung der Ortstaxe um einen Euro, von 1,20 auf 2,20 Euro, bringt dem TVB Mehreinnahmen von rund 700.000 Euro jährlich. „Es geht definitiv um neue Maßnahmen und nicht darum, Löcher zu stopfen“, erklärte TVB-Geschäftsführer Gernot Riedel und ergänzt, dass der Euro zweckgebunden für die Projektfinanzierung auf zehn Jahre festgelegt ist. Die Aufteilung soll dabei auf drei Säulen erfolgen. 175.000 Euro fließen in die Ortsbudgets, 125.000 Euro stehen für die Infra­struktur regional mit überregionaler Bedeutung zur Verfügung. Ideen und Projekte gibt es viele – von der Sanierung des Wegs zum Eifersbacher Wasserfall, Klettersteig im Kaiserbachtal, die Einführung der Gästekarte, um nur einige Beispiele zu nennen. Der größte Anteil mit 400.000 Euro jährlich ist für die St. Johanner Bergbahnen. Geplant ist der Bau einer 10er-Gondelbahn am Eichenhof, mit einer Mittelstation bei der Grander Schupf und Bergstation auf dem Harschbichl. Der Tourismusverband ist mit 36 Prozent an der Bergbahn beteiligt, weiters auch die Gemeinden St. Johann und Oberndorf sowie 9 Prozent private Gesellschafter.

Ein Rückblick zeigt die Schwierigkeiten: 2010 standen die Bergbahnen knapp vor dem Konkurs, ein Fünf-Punkte-Plan hat gegriffen und vergangenes Jahr folgte die bilanzielle Sanierung. Die Bedenken sind jedoch geblieben. „Wir sollten aus der Vergangenheit gelernt haben und nicht wieder für die gleichen Fehler bluten“, sagt Hotelier Balthasar Lackner. Maria Braito, Obfrau Privatzimmervermieter, steht zur Erhöhung, will aber eine andere Aufteilung. „Mehr als die Hälfte geht in einen Betrieb.“ Einige Unternehmer sprachen sich für eine Erhöhung der Aufenthaltsabgabe im gemäßigten Rahmen aus. „A bissl weniger ist zu wenig“, stellte TVB-Obmann Dieter Jöchler klar. „Durch eine neue Bahn wird das Skigebiet nicht attraktiver“, meinte ein weiterer Teilnehmer. Mehrmals wurde gefordert, dass eine externe Wirtschaftlichkeitsstudie bei dem Neuprojekt der Bergbahn gemacht werden muss. „Es wäre fahrlässig, wenn wir keine Experten im Boot haben“, stellt St. Johanns Bürgermeister Stefan Seiwald, Aufsichtsratsvorsitzender der Bergbahn, fest und ergänzt, dass rund die Hälfte des Geldes die Bergbahn selbst erwirtschaften kann. Ein Ziel ist und bleibt die Erschließung auf das Kitzbüheler Horn. „Wir müssen aber zuerst unsere Hausaufgaben machen“, plädiert Seiwald.

Kurz vor Mitternacht gab es dann das Ergebnis der Abstimmung. In allen drei Stimmgruppen gab es eine Mehrheit für den zusätzlichen Euro. Hochgerechnet ergibt es 1064 Punkte für die Erhöhung und 319 Punkte dagegen. Wahlleiter Gerhard Föger, Abteilungsvorstand Tourismus im Land, erklärt, dass mit der Erhöhung noch kein einziges Projekt beschlossen wurde. „Es sind alle Projekte separat und seriös abzuhandeln“, sagt Föger. Er teilt den Beschluss der Vollversammlung der Landesregierung zur Umsetzung mit. „Ich habe die Absicht, mir Zeit zu lassen“, erklärt Föger. Gültig wäre die Änderung mit 1. Mai 2016.