Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.08.2015


Bezirk Imst

Das Ötztal wird zum energetischen Sonnental

Letztes Jahr ging der Griesserhof mit der größten Photovoltaikanlage des Ötztales ans Netz. Es ist nur die Spitze des Eisberges.

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© Daum



Ötztal – „Heuer haben wir gut lachen“, freut sich der Oetzer Biobauer Heinz Griesser, Sonnenstromproduzent und Herr über 35 Milchkühe, über den außergewöhnlich sonnenreichen Sommer. Am Ende des heurigen Jahres könnte sogar die Schallmauer von 300.000 Kilowattstunden (kWh) produziertem Strom fallen. Am Ende des ersten Jahres übrigens, denn im September 2014 ging die Photovoltaikanlage (PV) mit 1700 Quadratmetern Kollektorfläche auf seinen Dächern erst ans Netz.

„Das hat mit Landwirtschaft nichts zu tun“, erklärt der beratende PV-Experte der Bezirkslandwirtschaftskammer Leo Larcher, „hier sind wir im gewerblichen Bereich.“ Larcher sieht die Zeit nach der Nuklearkatas­trophe in Fukushima 2012 als „historische Chance“, erneuerbare Energie zu forcieren. Das neue Ökostromgesetz, das mehr Mittel für Investitionen bereitstelle, würde dies unterstützen. Das Interesse sei da, speziell bei den Bauern. So massiv, dass ein Arbeitskreis gegründet wurde mit dem Ziel, durch Information und Ausbildung im Vorfeld alle relevanten Themen zu klären. Larcher: „Die Thematik ist mit den Bereichen Steuerrecht, Bürokratie oder Technik derart umfangreich, dass es kaum möglich ist, solche Projekte in Eigenregie abzuwickeln. Heinz Griesser jedenfalls, der mit seiner Stromproduktion ein kleines Dorf versorgen könnte, würde die Investition von rund 300.000 Euro wieder tätigen.

Er ist zwar der größte, doch bei Weitem nicht der einzige PV-Betreiber im Ötztal: Mittlerweile sind rund 60 Anlagen mit einer Gesamtspitzenleistung von 1500 kWpeak von Sautens bis Vent – die meisten gewerblich – am Netz, einige Anlagen wie jene des Schafwollzentrums Umhausen sind in Planung. Diese Dichte sei laut Larcher in keinem anderen Tal gegeben. „Die Amortisierung ist mit dem auf 13 Jahre garantierten Einspeistarif von derzeit 11,5 Cent pro kWh auf jeden Fall gegeben“, lässt der Experte Zahlen sprechen, „und der Investitionszuschuss liegt immerhin bei 200 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche.“ Die Technik habe sich gewaltig weiterentwickelt. Am Griesserhof werde beispielsweise die Wärme unter den Modulen für die Heutrocknung verwendet. Gerade jetzt sei ein guter Zeitpunkt, um sich die Investition für 2016 zu überlegen. (huda)