Letztes Update am Di, 29.09.2015 07:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Klares Nein zur Einkaufsnacht

Vier Tage vor der nächsten Innsbrucker „Shopping Night“ hat der Gewerkschaftsbund die Ergebnisse einer groß angelegten Umfrage unter den betroffenen Angestellten veröffentlicht. Diese sprechen eine klare Sprache. Vonseiten der Wirtschaftskammer hagelt es Kritik.

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Innsbruck – Für Tirols ÖGB-Vorsitzenden Otto Leist ist es ein „fulminantes Ergebnis“: Wie berichtet, führte die GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) vier Tage lang eine „Urabstimmung“ zu den Themen Shopping Night und Sonntagsöffnung unter Innsbrucker Handelsangestellten durch. Gestern wurde die Auswertung präsentiert: Von den „rund 3000 Betroffenen“, von denen die Gewerkschaft bei der Einkaufsnacht ausgeht – man habe keine Möglichkeit, an die genaue Zahl der Beschäftigten zu kommen, so Leist –, haben sich 1850 (also 61,66 %) an der Umfrage beteiligt. Die Frage „Wollen Sie persönlich bei der Innsbrucker Shopping Night bis 23 Uhr arbeiten?“ beantworteten 68,1 % mit Nein, 86,4 % unterstützen die Forderung der Gewerkschaft nach arbeitsrechtlichen Verbesserungen bei der Eventregelung zur Shopping-Night. 93,3 % der Befragten sprachen sich gegen eine grundsätzliche Sonntagsöffnung aus.

Im Zuge der Befragung hätten die Angestellten auf diverse Probleme im Zusammenhang mit der Shopping-Nacht hingewiesen, berichtet David Schumacher, Regionalsekretär der GPA-djp Tirol für den Bereich Handel: So sei die öffentliche Heimreise, vor allem in die Täler, schwierig, die Kinderbetreuung außerhalb der Familie kaum zu organisieren. Zum Teil gebe es auch Sicherheitsbedenken, weil nach 22 Uhr die Zahl der alkoholisierten Gäste steige.

Viele Innsbrucker Kleinunternehmer, mit denen man am Rande der Befragung gesprochen habe, sähen die Shopping-Nacht ebenfalls kritisch, meint Harald Schweighofer, Regionalgeschäftsführer der GPA-djp. Gerade in der Innen- und Altstadt würden sich zahlreiche Betriebe gar nicht mehr daran beteiligen, „aus ihrer Sicht ist die Shopping Night nur noch für die großen Einkaufszentren da“.

Bei der Einkaufsnacht am 2. Oktober plant die Gewerkschaft keine Aktionen. Die Ergebnisse der Urabstimmung will man aber – als Bestätigung der eigenen Positionen – mit Stadtmarketing und Wirtschaftskammer (WK) diskutieren, zudem sollen sie in die bevorstehenden Kollektivvertragsverhandlungen „mitgenommen“ werden. Das Ziel laut Leist: österreichweite Verbesserungen zur „Eventregelung“ – etwa in Form eines Zusatz- bzw. Eventkollektivvertrags –, „gerne aber auch eine Lösung in Tirol“.

Wir haben im Land ganz andere Probleme, als das abendliche und gut funktionierende Shopping-Event.“
WK-Präsident Jürgen Bodenseer

„Zweimal im Jahr bis 22 oder 23 Uhr offenzuhalten, zerstört sicher keine Familie und bedeutet keine Knechtung der Arbeitnehmer“, kontert WK-Präsident Jürgen Bodenseer. Zumal die Teilnahme auf Freiwilligkeit beruhe. Von einem eigenen Kollektivvertrag wegen „ein oder zwei Events pro Jahr“ hält Bodenseer nichts. Eine allgemeine Sonntagsöffnung wiederum sei „weder gewünscht noch sinnvoll“, die bestehende Tourismusorteregelung funktioniere gut. Generell zieht Bodenseer die Repräsentativität der Umfrage wie auch die Fragestellung in Zweifel: „Wenn man Mitarbeiter fragt, ob sie weniger arbeiten und mehr verdienen wollen, würde man auch ein klares Ja bekommen.“

Auch FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger und Landtagsklubobmann Rud­i Federspiel kritisierten die ÖGB-Umfrage als „weder seriös noch repräsentativ“. (md)