Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.10.2015


Standort Tirol

Langer Weg zur genauen Pistenlänge

Während in Österreich sehr viele Gebiete die Kilometerangaben ihrer Skipisten geändert haben, sieht das international anders aus.

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© Schrahe



Von Marco Witting

Innsbruck – Ob er noch ein gern gesehener Gast auf den Tiroler Skipisten sei? Das müsse man die Liftbetreiber fragen, doch Christoph Schrahe sieht sich prinzipiell mit diesen durchaus im besten Einvernehmen. Im Jänner 2013 hatte der deutsche Reisejournalist und Inhaber eines Beratungsunternehmens falsche Pistenkilometerangaben aufgedeckt – und eine europaweite Diskussion in der Branche ausgelöst. Jetzt bringt Schrahe ein Qualitätssiegel unter die Liftbetreiber – und erklärt, dass es weiterhin zu hohe Angaben gebe.

In Österreich habe sich die Schummelei bei den Pistenkilometern stark gebessert. „Hier sieht die Situation viel besser aus. International beträgt die Abweichung bei etwa der Hälfte der Gebiete 30 Prozent und mehr. In der Spitze geht es bis zum Dreifachen der eigentlich gemessenen Kilometer“, schildert Schrahe. Das liegt auch daran, dass man sich international nicht einig war. Der Vorschlag der Wirtschaftskammer Österreich fand demnach nicht Eingang in die Empfehlungen internationaler Verbände. Weil man in Frankreich damit nicht einverstanden war, „gab es dort Empfehlungen, die einen bis zu 30-prozentigen Zuschlag für das Kurvenfahren erlauben. Die Verwirrung ist immer noch groß.“ Für den Reisejournalisten ist das „Betrug, der sich in den ­Ticketpreisen zum Nachteil der Skifahrer niederschlägt“.

Natürlich will der Deutsche mit dem Qualitätssiegel Geld seinerseits verdienen. „Die Pflege einer Datenbank mit Zehntausenden Pistenkilometern ist nun mal mit Aufwand verbunden und der muss honoriert werden. Aber letztlich profitieren von der Schaffung eines einheitlichen Standards vor allem die ehrlichen Skigebiete und deren Gäste“, sagt der Pistenmesser. Für kleinere Gebiete sei das Siegel für einige Hundert Euro zu haben. In Tirol wird das Siegel unter anderem bereits in Kitzbühel verwendet. Auch dort hofft man, dass weitere Bergbahnen folgen werden. 28 Skigebiete hat Schrahe bereits überprüft. Gemessen wird die Mittellinie der Piste mit einem GPS-Gerät.

Einen Umdenkprozess in Österreich hat der Autor jedenfalls festgestellt. Hier setze man auf ehrliche Kommunikation des Angebots. „Das wird sich rumsprechen. Allerdings ist es schon noch so, dass viele Skifahrer größere Skigebiete bevorzugen. Die Versuchung, sich da einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, wird also bleiben.“