Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.11.2015


Osttirol

Osttirol sagt Volksbanken mit Hypo-Hilfe adieu

Die Rebellion gegen eine Fusion in eine Volksbank Kärnten scheint geglückt: Die Volksbank Osttirol soll bald DolomitenBank heißen.

© 151121_tt_prvolksbankDie DolomitenBank sieht sich als Marktführer in der Region.Foto: Volksbank Osttirol



Lienz – Die Landecker Volksbank-Rebellion war heuer nach heftigem Druck von Bankenaufsicht und Finanzministerium abgeblasen worden, seither wird mit Hochdruck an einer Fusion der drei Nordtiroler Volksbanken Innsbruck-Schwaz, Landeck und Kufstein-Kitzbühel verhandelt. Die Volksbank Osttirol-Westkärtnen, die sich gegen einen Zusammenschluss in eine künftige Volksbank Kärnten mit Sitz in Klagenfurt querlegte, war indes erfolgreicher: „Ein wunderbarer Tag: Die Verträge sind unterschrieben, wir bleiben auch in Zukunft völlig selbstständig“, sagte Vorstandsvorsitzender Hansjörg Mattersberger am Freitag gegenüber der TT. Ein Okay von Europäischer Zentralbank, Aufsicht und Finanzministerium liege vor.

Konkret werde man mit der bisherigen Volksbank Gmünd (12 Mitarbeiter und 80 Mio. Euro) fusionieren und künftig als DolomitenBank firmieren, so Mattersberger. Das Institut komme nach dem Zusammenschluss auf eine Bilanzsumme von 500 Mio. Euro, Einlagen von 400 Mio. Euro und ein Kreditvolumen von 375 Mio. Euro. Die DolomitenBank (die Umbenennung soll noch vor Weihnachten umgesetzt sein) hat 85 Beschäftigte. „Davon wären bei einer Fusion in eine Volksbank Kärnten 45 in Stabs- und Verwaltungsaufgaben in Osttirol verlorengegangen und nach Klagenfurt verlagert worden.“

Einvernehmlich vereinbart wurde laut Mattersberger die komplizierte Trennung aus dem Volksbanken-Verbund. Um die alten Haftungsverpflichtungen (etwa für das mit Staatshilfe gestützte ehemalige Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG) loszuwerden, leiste die künftige DolomitenBank einen einmaligen „Entbindungsbeitrag“ von 8 Mio. Euro an den Staat. Das Finanzministerium bestätigte auf Anfrage diese Einigung.

Gelungen sei die Lösung dank politischer Hilfe durch das Land Tirol und vor allem auch durch die Hypo Tirol, die künftig als Kooperationspartner fungiert. Laut Hypo-Chef Hans-Peter Hörtnagl wurde ein Vertrag fixiert, wonach die Hypo Abwicklungsleistungen bei Zahlungsverkehr, Wertpapierverwaltung, Banken-Refinanzierung und Treasury übernimmt. Die IT läuft weiter über das Allgemeine Rechenzentrum (ARZ) in Innsbruck, an dem Volksbanken und Hypos schon bisher beteiligt waren. Prüfungsverband für die DolomitenBank bleibt laut Mattersberger der Österreichische Genossenschaftsverband. Bei einigen Leistungen kooperiere man künftig mit verschiedenen Banken.

Aus Sicht der Finanzmarktaufsicht FMA haben sich die Osttiroler aktuell noch nicht vom Volksbanken-Sektor getrennt. „Dazu bedarf es eines eigenen Bescheides. Noch gibt es keinen Bescheid“, erklärte FMA-Sprecher Klaus Grubelnik. Er erwartet jedoch, dass ein solcher „demnächst“ erfolgen werde. Aktuell sei das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Bis 31. Juni 2016 müssen die Volksbanken-Rebellen nachweisen, dass sie auf eigenen Beinen stehen können. „Wir haben immer gesagt: So einfach, wie es sich die Herren vorstellen, geht es nicht. Sie müssen bestimmte Schlüsselfunktionen sicherstellen. Das haben sie bis jetzt nicht gemacht“, erklärte Grubelnik. Erfülle die Volksbank Osttirol die Vorgaben jedoch früher, werde man prüfen, ob das ordnungsgemäß sei. „Dann können sie sich früher trennen.“ (va, wer)