Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Nach Brand

Nauderer Seilbahn stieg

wie Phönix aus der Asche

51 Tage nach dem verheerenden Brand konnte das Dorf den Wiederaufbau feiern. Nur Optimisten glaubten an einen pünktlichen Saisonstart.

Schneekanonen laufen auf vollen Touren.

© WenzelSchneekanonen laufen auf vollen Touren.



Von Helmut Wenzel

Nauders – „Unmöglich, die schaffen das nie.“ Das musste der Nauderer Seilbahn-Geschäftsführer Heinz Pfeifer in den Tagen nach dem vernichtenden Brand öfters hören. Am Abend des 21. Oktober lag die Talstation in Schutt und Asche. Das Tragseil war gerissen, 18 Gondeln lagen am Boden, Elektrik und technische Anlagen waren zerstört. Selbst Seilbahn-Experten hatten gezweifelt, dass der Wiederaufbau bis Saisonstart am 12. Dezember gelingt.

Doch die Nauderer haben es geschafft. Davon konnten sich zahlreiche Gäste bei der Eröffnungsfeier gestern Freitag überzeugen. Touristiker aus nah und fern sowie LH Günther Platter gratulierten den Nauderern „zu einer unglaublichen Meisterleistung“.

Der Brand vom 21. Oktober bescherte 6,5 Mio. Euro Schaden.
Der Brand vom 21. Oktober bescherte 6,5 Mio. Euro Schaden.
- Kröll

Bürgermeister und Seilbahn-Geschäftsführer Robert Mair sprach von einem großen Tag für das Reschendorf: „Ich kann nur allen danken, dass diese Leistung gelungen ist. Die Zusammenarbeit mit den Firmen und Behörden war super.“ Er selbst ziehe sich aus Altersgründen im Februar 2016 zurück – „mit Stolz, aber auch mit etwas Wehmut“, sagte Mair.

Pfeifer hatte von Anfang an erklärt, der Wiederaufbau werde bis Saisonstart gelingen. Ganz so sicher sei er aber nicht gewesen. „Wir wussten ja nicht, ob die Firmen die benötigten Anlagen sofort liefern können. In keiner Lagerhalle gibt es zum Beispiel ein versandfertiges Tragseil.“ Anlagenteile mussten europaweit eingesammelt und dann vor Ort installiert werden. „In einigen Firmen haben die Mitarbeiter für uns Wochenend- und Nachtschichten eingelegt.“ In den Tagen nach dem Brand sei das Dorf in Schockstarre gelegen. „Vermietern und Gästen waren wir es schuldig, dass die Bahn pünktlich startet.“ Als die Beamten des Verkehrsministeriums am Donnerstag ihre Überprüfungen ohne Mängelfeststellung beendeten, habe er aufgeatmet. Dass die Schadenssumme von 6,5 Mio. Euro von der Versicherung gedeckt sei, bedeute ebenfalls „eine gewisse Erleichterung“.

Für Geschäftsführer Manfred Wolf sind die vergangenen Wochen „wie in einem Katastrophenfilm mit Happy End“ gelaufen.

Festakt bei der Seilbahn-Talstation: Die Vorstände Manfred Wolf, Robert Mair und Heinz Pfeifer sowie LH Günther Platter (v. l.) schreiten die Schützenfront 
ab.
Festakt bei der Seilbahn-Talstation: Die Vorstände Manfred Wolf, Robert Mair und Heinz Pfeifer sowie LH Günther Platter (v. l.) schreiten die Schützenfront 
ab.
- Wenzel