Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.01.2016


Tirol

Von Bond bis Bergdoktor: „Filme starke Tirol-Werber“

Kino- und TV-Filme sind laut Experten trotz teurer „Duftstoffe“ gute Werbeträger. Entsprechend hart sei der internationale Wettbewerb.

© APA/GINDLDaniel Craig als Geheimagend James Bond im Ötztal.



Innsbruck – Was bringt es, wenn Geheimagent James Bond im Dienst Ihrer Majestät in „Spectre“ auch in Tirol versucht, die Welt vor gefährlichen Bösewichten zu retten? Die Tiroler Drehorte Sölden und Obertilliach waren minutenlang im Bild, die Namen wurden aber nicht genannt. In solchen Blockbustern (bisheriges Einspielergebnis 875 Mio. Euro) dabei zu sein, sei auf jeden Fall ein toller Gewinn – fürs Image und auch finanziell. Das betonten Arie Bohrer (Leiter der Location Austria) und Stephan Rösch (internationaler Berater von Filmlocation-Gesellschaften) bei einer Veranstaltung des PR-Verbandes Tirol (PRVA) in Innsbruck.

Für Bohrer – er war im Vorjahr auch für die Anwerbung von „Mission Impossible“ in Wien mitverantwortlich – reicht es heute nicht mehr, tolle Dreh­orte zur Verfügung zu stellen. „Da geht es neben guten Kontakten um Incentives, ob bei Steuern oder in Cash, um ‚Duftstoffe‘, um Filme ins Land zu bringen.“ Und hier gebe es wegen der großen Werbewirkung einen großen internationalen Wettlauf, der bis zu 30 Prozent Zuschuss in Ländern wie Großbritannien, Frankreich oder Irland ausmache.

Hans Sigl als TV-Bergdoktor.
- TVB Wilder Kaiser

Für den neuen Bond-Film habe Österreich 1,5 Mio. Euro beigesteuert, davon 850.000 Euro die vom Bund finanzierte FISA und der Rest die Länder bzw. Regionen. Die dadurch ausgelösten volkswirtschaftlichen Effekte des bis zu 1000-köpfigen Filmteams seien aber bei 18 Mio. Euro gelegen. Deutschland habe von 2007 bis 2015 für Filme 540 Mio. Euro zugeschossen, dadurch aber Effekte von 3,2 Mrd. Euro ausgelöst.

Die unmittelbaren Effekte seien leicht und rasch messbar, die längerfristigen touristischen weit weniger exakt, sagt Rösch. Diese seien aber teilweise sehr groß, etwa die vielen chinesischen Besucher im „Herr der Ringe“-Drehland Neuseeland oder im Londoner Viertel Notting Hill. Und noch heute gebe es auch in Österreich Touristen-Touren um die vor Jahrzehnten gedrehten Sissi-Filme, „Sound of Music“ oder „Der Dritte Mann“. Sölden etwa verzeichnete laut der Marketing-Zuständigen Carmen Fender ein Jahr lang unzählige internationale Presseberichte rund um die 007-Dreharbeiten.

Für Rösch gehe es nicht nur um das Anlocken von Kino-Blockbustern, auch Bollywood-Filme seien für Tirol erfolgreich. Und noch mehr würden TV-Filme- und -Serien wie „Der Bergdoktor“ (bis zu 7 Mio. Zuseher) an Wichtigkeit gewinnen, weil diese langfristig und mit stärker herausgearbeiteten Charakteren arbeiteten. (va)