Letztes Update am So, 14.02.2016 09:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

„Die Stadtflucht des gehobenen Mittelstandes hat eingesetzt“

Wohnraum ist in Innsbruck so teuer, dass der Mittelstand ihn sich kaum oder nicht mehr leisten kann, erzählt Tirols sReal-Chef Ingmar Schwabl.

© sRealTirols sReal-Chef Ingmar Schwabl.



Leistbares Wohnen ist ein großes Thema in Tirol. Merken auch Sie, dass Wohnraum für manche Menschen in bestimmten Regionen unerschwinglich wird?

Ingmar Schwabl: Als größter Makler von Wohn- immobilien in Österreich, ist sReal an den Kunden nah dran. In Innsbruck macht sich ein Problem mit einer Zielgruppe bemerkbar: Die Kapitalanleger investieren noch immer in kleine, kompakte Wohneinheiten in guter, zentraler Lage. Jedoch der Mittelstand und auch der gehobene Mittelstand kann sich dort nur noch schwer oder überhaupt keinen Wohnraum mehr leisten. Daher sind größere Wohneinheiten mit mehr als 100 Quadratmetern, wo der Quadratmeter 5000 Euro und mehr kostet, aufgrund der fehlenden Zielgruppe schwer zu verwerten.

Wo suchen dann diese Menschen nach Wohnungen?

Schwabl: Es hat die Stadtflucht des gehobenen Mittelstandes eingesetzt. Er nimmt längere Wege in Kauf und wohnt beispielsweise in Zirl. Dieser Trend hat den Speckgürtel rund um Innsbruck erfasst. Die Verkäufer haben reagiert, Preise haben auch dort merklich zugelegt.

Gleichzeitig ist das Zinsniveau auf einem historischen Rekordtief. Hilft das nicht beim Wohnungskauf?

Schwabl: Das bringt nicht wirklich viel. Um eine Finanzierung zu bekommen, werden Eigenmittel benötigt beziehungsweise muss die Gesamtleistbarkeit des Kredits gegeben sein.

Es gibt Befürchtungen, dass bei steigenden Zinsen der ein oder andere seine Wohnung verkaufen muss?

Schwabl: Wenn sich die Zinslandschaft ungünstig verändert, werden zwangsläufig wieder mehr Bestandsobjekte, also gebrauchte Immobilien, auf den Markt kommen.

Wie werden sich die Immobilienpreise in Tirol entwickeln?

Schwabl: In Innsbruck sind heuer nur noch moderate Preissteigerungen zwischen zwei und drei Prozent zu erwarten. Natürlich ist das immer abhängig davon, ob es sich um ein Neubauobjekt oder um einen Bestand handelt. Wenn eine Wohnung erst in Stand gesetzt werden muss, die Energieeffizienz nicht stimmt, die Betriebskosten hoch sind, kann man keinen Verkaufspreis von 4000 oder 5000 Euro pro Quadratmeter erzielen. Wohnraum in der Peripherie der Landeshauptstadt und kleine Einheiten werden stärker nachgefragt werden.

Und Objekte in den übrigen Landesteilen?

Schwabl: Das Oberland entwickelt sich sehr gut, dort werden die Preise stärker zulegen, für das Unterland erwarten wir einen moderaten Preisanstieg.

Wie wird sich die Maklerbranche in Tirol verändern?

Schwabl: Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen eine der wichtigsten Entscheidungen in ihrem Leben. Das Ganze ist sehr komplex: Es sind dabei steuerliche, rechtliche und bautechnische Facetten zu berücksichtigen. Daher ist es wichtig, dass der Kunde auf einen seriösen Profi zurückgreifen kann. Meiner Ansicht nach wird es zu einer Marktbereinigung kommen und es werden eher die großen Player den Markt erfolgreich bearbeiten können. Die Qualität der Beratung wird steigen und ich glaube, dass sReal Marktanteile dazugewinnen wird.

Das Gespräch führte Frank Tschoner