Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.02.2016


Tirol 2050

Am Pitztaler Gletscher liefert die Sonne ein Drittel des Stroms

Das Skigebiet im Nahbereich der Wildspitze setzt auf umweltbewussten Wintertourismus. Auf die Natur wird große Rücksicht genommen.

null

© Pitztaler GLB/Daniel Zangerl



St. Leonhard i. P. – „Und wann der Schnee staubt, und wann die Sunn scheint, dann hob i ollas Glück in mir vereint“, sang vor 40 Jahren Wolfgang Ambros. Und das denkt Hans Rubatscher heute noch. Der Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahn GmbH genießt die Sonne auf der Terrasse des Café 3440, einem Musterbeispiel für die Philosophie, die hier oben verfolgt wird. Er blickt auf die Wildspitze, Nordtirols höchsten Berg, und zurück auf die letzten Jahre.

2007 betraten die Pitztaler Gletscherbahnen mit dem Bau der Sunna Alm neue Wege ökologischer Verantwortung. Das Passivhaus auf 2300 m Seehöhe bezieht seinen Wärmebedarf aus sechs Tiefenbohrungen und einer thermischen Solaranlage und somit vollständig aus erneuerbarer Energie.

Im Pitztal hat man früh verstanden, dass zu einem guten Skigebiet nicht nur moderne Lifte und gut präparierte Pisten gehören: „Neben einem hochwertigen kulinarischen Angebot und ansprechendem Ambiente möchte der Konsument diese Annehmlichkeiten immer öfter mit dem Wissen genießen, dass dabei Rücksicht auf die Natur genommen wird“, so Rubatscher.

Die Pitztaler Pioniere setzen auf neueste umweltschonende Technologie. Diese spielt bei der künstlichen Schneeproduktion eine tragende Rolle. Während man anderswo über Schneemangel jammert, versucht man im Pitztal, das Beste aus den Verhältnissen zu machen. Dazu bedient man sich israelischen Wissens und wandelt Wasser mittels Unterdruck zu Schnee um. Eine Technik, die zuvor nur in heißeren Gebieten für die Kühlung von Maschinen eingesetzt wurde.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Auch Phänomene der Natur hat man beobachtet und von deren Prozessen gelernt. Es entstand ein ausgeklügeltes System für Schneemanagement: In der Nährzone des Gletschers und an wichtigen Stellen werden Schnee­depots angelegt.

Aber die Pitztaler Gletscherbahn will noch höher hinaus. Im letzten Jahr wurde eine 6000 m² große Photovoltaikanlage errichtet, mit der man nun ein Drittel des verbrauchten Stroms selbst aus erneuerbarer Energie und mit größter Effizienz erzeugt. „Der Wirkungsgrad einer solchen Anlage ist auf einer Höhe von 2900 m viel größer als im Tal und funktioniert, durch den kurzen Transportweg zum Abnehmer Seilbahn, praktisch verlustfrei. Mit der Photovoltaikanlage am Pitztaler Gletscher setzen wir ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Alpenraum“, so Rubatscher.

Es ist kein Geheimnis, dass der Wintersport direkten und indirekten Einfluss auf den Klimawandel hat. Schneekanonen und Liftanlagen verbrauchen große Mengen an Wasser und Energie. Anreise und Unterbringung von Wintersportlern sind eine logistische und vor allem auch eine ökologische Herausforderung. Die Autolawinen, die jedes Jahr die Berge überrollen, stoßen tonnenweise CO2 aus. Die Betreibung der Lifte mit Ökostrom wie im Pitztal ist ein viel versprechender Schritt Richtung nachhaltiger Skitourismus.

Überdies wurde im Skigebiet kürzlich einen E-Snowmobil angeschafft. Tankstellen für E-Autos sind in Planung. Als einer der größten Arbeitgeber in der Region wollen die Pitztaler Gletscherbahnen einen neuen und vor allem ökologischen Weg einschlagen.

Für den Wandel zu einer nachhaltigeren Gesellschaft brauchen wir Menschen, die aus ihren Träumen Realität machen und durch ihr Handeln Verantwortung übernehmen. „Es braucht Mut, neue Wege zu gehen“, fasst Rubatscher seine Vision zusammen. (TT)