Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.03.2016


Exklusiv

Tirols Bauern liefern um neun Prozent zu viel Milch

Debatte um niedrigen Milchpreis: Landwirtschaftsminister Rupprechter appelliert an die Bauern, nicht auf Menge, sondern Qualität zu setzen.

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Innsbruck, Wien – In der Tiroler Landwirtschaft und unter den Milchbauern rumort es: Ab heute erhalten die 3200 Lieferanten der Tirol Milch, die seit einigen Jahren zur oberösterreichischen Berglandmilch gehört, für konventionelle gentechnikfreie Milch nur noch 29,2 Cent/netto. Im Gegensatz dazu sind die Preise für die Anlieferung von Spezialmilch deutlich höher: Bio-Heumilch 47,8 Cent, Biomilch 41,9 Cent und Heumilch 35,76 Cent. Wie der Genossenschaftsobmann der Tirol Milch Stefan Lindner betont, werden bereits 228 Millionen Kilogramm Milch als Spezialmilch angeliefert. „Die Situation ist aber insgesamt nicht erfreulich, wir leiden einerseits unter dem Russland-Embargo, zum anderen unter dem schwachen Absatz in China.“ Allein vor dem Embargo habe das Exportvolumen von Käse und Butter nach Russland rund ein Drittel betragen.

Neben dem schwachen Export führt Lindner auch das Überangebot an Milch als Grund für die sinkenden Preise an. „Bei uns wird um acht bis neun Prozent zu viel Milch angeliefert, in Salzburg allerdings um 20 Prozent.“ Es sei zwar ein schwacher Trost, aber im Vergleich mit der Niederösterreichischen Molkerei und Salzburg zahle die Tirol Milch noch um einen Cent mehr.

Wegen der Milchpreiskrise wurde in der Landwirtschaft Kritik an Minister Andrä Rupprechter (VP) laut. Die von der Politik versprochenen Maßnahmen zur Preisstabilisierung hätten nichts gefruchtet, heißt es. Rupprechter sieht ebenfalls erneuten Handlungsbedarf: „Kurzfristig müssen wir auf europäischer Ebene stabilisierende Maßnahmen setzen. Das wird der Schwerpunkt der Diskussion beim Agrarministerrat am 14. März sein.“ Er werde deshalb auf ein weiteres Paket mit EU-weiten Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Sektoren drängen. „Außerdem werde ich einen Dialog zwischen EU und Russland mit dem Ziel einer schrittweisen Lockerung des Embargos einfordern.“

Mittelfristig fordert der Landwirtschaftsminister noch bessere Qualität und mehr Spezialisierung. Das zahle sich für die Bauern aus, wie die verstärkte Nachfrage und die bessere Preissituation etwa bei Spezialmilch und entsprechenden Milchprodukten beweise. „Für die bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich macht es keinen Sinn, sich am globalen Wettkampf um die größten Mengen und den kleinsten Preis zu beteiligen. Unser Mehrwert ist die Qualität“, appelliert Rupprechter auch an die Milchbauern, die Produktion zu bremsen. Mit den im Vorjahr von der EU bereitgestellten Hilfsgeldern für Qualitätszuschläge oder Unterstützung bei den Tiergesundheitskosten sowie den nationalen Förderungen mit neuen Schwerpunkten wie die Exportservicestelle würde man ebenfalls in die Qualitätssteigerung investieren.

Im Agrarministerrat im März dürften auch die von Frankreich vorgeschlagenen Mengenregulierungen diskutiert werden. In Deutschland ist bereits von einem so genannten Drosselbonus in Höhe von vier Cent pro Kilogramm Milch die Rede. (pn)