Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.03.2016


Exklusiv

Kalser Bergbahnen belasten Osttirol Invest

Mindestens drei Mio. Euro wurden bei der Schultz-Bahn bereits abgeschrieben. Wieder dickes Minus im Vorjahr.

© OblasserScheibchenweise Abwertung: Die Bergbahnen Kals fuhren auch 2014/15 dickes Minus ein. Foto: Oblasser



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die aus Mauteinnahmen finanzierte Felbertauernstraßen-Tochter, die Osttirol Investment Gesellschaft (OIG), hat sich in den vergangenen Jahren an zwei Bergbahnen in Osttirol beteiligt; mit sechs Millionen an den zur Gruppe des Zillertaler Liftkaisers gehörenden Kalser Bergbahnen sowie mit 1,5 Mio. Euro an den Obertilliacher Bergbahnen. Das Investment in Kals für die Skiverbindung mit Matrei sorgt allerdings immer wieder für Debatten, musste es doch mindestens zur Hälfte abgeschrieben werden. Inoffiziell ist bereits von sechs Millionen die Rede, die Bilanz für 2015 wird darüber Aufschluss geben.

Eines steht jedenfalls fest: Die Kalser Bergbahnen belasten die Osttirol Invest und machen die Abschreibungen notwendig. In der Saison 2014/2015 wurde nämlich wieder ein Verlust von 934.300 Euro geschrieben, der den Gesellschaften zuzuschreiben ist. Im Jahr zuvor waren es 932.500 Euro. Die Kalser Bergbahnen genießen bei der Osttirol Invest gleichzeitig einen Sonderstatus. Schließlich werten Experten die Beteiligung samt Abwertung als verlorenen Zuschuss. Dem widerspricht der Aufsichtsratsvorsitzende der OIG und Tourismuschef in der Landesregierung Gerhard Föger: „Juristisch und beihilfenrechtlich handelt es sich keineswegs um einen verlorenen Zuschuss, sondern um ein Beteiligungsmodell mit fremdüblicher Abschichtung.“ Und wie aus einer Stellungnahme von LH Günther Platter (VP) an den Osttiroler Impuls-Abgeordneten Josef Schett hervorgeht, wurde seit der Gründung der OIG im Jahr 1991 noch nie ein verlorener Zuschuss vergeben. „Auch wurden nachträgliche Anträge um gänzliche oder teilweise Schuldenerlässe stets abgelehnt.“

Dass man die geltenden Förder-Obergrenzen von 360.000 Euro für die Beteiligung an den Kalser Bergbahnen massiv erhöht hat, verteidigen sowohl Platter als auch Föger. Weil dies eben im volkswirtschaftlichen und regionalen Interesse gelegen sei. Doch Föger lässt auch aufhorchen, wenn er tendenziell nicht ausschließen will, „dass ein weiterer Teil der Beteiligung abgeschrieben werden muss“. Das würde letztlich ins Bild von der scheibchenweisen Abschichtung der OIG-Beteiligung in Kals passen: 2009 wurden bereits 200.000 Euro abgewertet, 2010 waren es 300.000 Euro, zwei Jahre später 400.000 Euro, 2013 rund 800.000 Euro und 2014 eine Million Euro.