Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.03.2016


Standort Tirol

Sannakraftwerk steht weiter unter keinem guten Stern

Projektbetreiber Infra hat 4,4 Mio. Euro für Vorleistungen budgetiert, der Großteil dürfte investiert worden sein. Umweltprüfung ist nicht in Sicht.

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© Wenzel



Pians, Landeck – „Es gibt im Moment von der Infra keine Neuigkeiten zum Projekt.“ Das hat Infra-Geschäftsführer Gerhard Langer diese Woche auf TT-Anfrage mitgeteilt. Für die Zeit nach den Gemeinderatswahlen hatten Beobachter aus der Lokalpolitik und Lattenbach-Bürgerinitiative einen neuen Vorstoß erwartet. Vor allem die von der Infra mehrfach angekündigte Einreichung zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Auf der Homepage www.wasserkraft-sanna.at ist nachzulesen: „Die Infra wird die Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) im ersten Halbjahr 2015 einreichen.“

Nach dem Nein der Anrainergemeinden zu einer finanziellen Beteiligung entschloss sich die Infra zu einer Kurskorrektur. Das „attraktive und rentable Kraftwerksprojekt“ werde auch ohne Gemeinden realisiert, erklärte Geschäftsführer Wolfgang Widmann im März 2015 in Landeck.

Wie viel Geld die Infra in Vorleistungen (Planungen, Probebohrungen usw.) inves­tiert hat, ist offiziell nicht bekannt. Im Herbst 2014 nannte Langer einen Betrag von zwei Mio. Euro. „Bis zum erhofften Baustart 2017 haben wir in Summe 4,4 Mio. Euro Risikokapital budgetiert“, erläuterte der Geschäftsführer.

Von lokalen Bürgerinitiativen abgesehen sehen Experten die aktuelle Strompreisentwicklung als größten Feind für den Bau des Sannakraftwerks. Im so genannten Terminhandel an der Strombörse in Leipzig waren ges­tern 1000 Kilowattstunden zum Preis von 22,35 Euro zu haben. Das sind 2,2 Cent pro Kilowattstunde.

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Experten des Kompetenzzentrums Österreichische Energieagentur in Wien haben auf TT-Anfrage erklärt: „Selbst Energie-Futures für die Jahre 2018 und 2019 weisen negative Trends aus. Das heißt, die Strompreise bleiben langfristig niedrig.“

Ursache dieser für den Bau von neuen Kraftwerken ungünstigen Preisentwicklung sind „Unwägbarkeiten“ durch Anbieter von erneuerbaren Energien. Der Photovoltaik- und Windräderboom in Deutschland spiele eine wesentliche Rolle. „Wer heute ein neues Kraftwerk baut, muss Jahrzehnte bis zur Amortisation rechnen.“ Aus Deutschland sei bekannt, dass für die Einspeisung manchmal kein müder Cent gezahlt werde. Im Gegenteil: Stromproduzenten müssten für das Einspeisen zahlen.

Auf lokaler Ebene müssten die Betreiber des Sannakraftwerks mit entschlossenem Widerstand in der Sannaregion rechnen. Die Stadt Landeck hat Studenten des Bachelor-Studiums „Gesundheit, Sport und Tourismus“ gebeten, sich Gedanken zur Freizeitnutzung des Sanna­ufers zu machen.

„Herausgekommen ist eine umfangreiche Studie mit vielen Ideen, die es wert sind, sie auf Machbarkeit zu prüfen“, resümiert BM Wolfgang Jörg. Die Studie soll in wenigen Wochen öffentlich vorgestellt werden. (hwe)