Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.04.2016


Reutte

Lechtal legte 18.000 Nächtigungen zu

In der touristisch schwächsten Talschaft des Bezirkes ist ein deutlicher Aufschwung spürbar. Steigende Gästezahlen und der Wandel zur Ganzjahresdestination lassen Gastronomen und Vermieter investieren.

© Werbegemeinschaft Lechwege/GerhaDas Interesse am Weitwanderweg „Lechweg“ ist ungebrochen stark.



Von Simone Tschol

Lechtal – „Die Wintersaison 2015/16 hat durch den fehlenden Schnee wirklich schlecht angefangen“, blickt der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Lechtal, Michael Kohler, zurück. Sorgenfalten blieben dennoch aus. Denn schon um Weihnachten und Neujahr hat sich das Blatt gewendet. Dabei spielte das Schicksal Regie. Denn ausgerechnet heuer startete das Lechtal mit dem neuen Schwerpunkt Winterwandern durch. „Die Skifahrer fanden in Warth – zwar nicht viel, aber genug – Schnee auf den Pisten. Auch die Verbindung Warth/Lech spielt natürlich eine große Rolle. Vor allem im oberen Lechtal profitieren die Betriebe enorm vom Arlberg. Und mit dem Winterwanderangebot im Tal kristallisierte sich die perfekte Kombination heraus. Die talnahen Hütten platzten regelrecht aus allen Nähten“, beschreibt Kohler. Mitte/Ende Jänner sei dann auch das Spuren der Loipen möglich gewesen. Und der frühe Ostertermin habe den Touristikern im Tal ebenfalls in die Hände gespielt. „Wir verzeichnen im heurigen Winter ein Plus von rund sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Saison ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber da wird nicht mehr viel hinzukommen. Viele Betriebe haben bereits geschlossen“, erklärt Kohler. Er rechnet bis zum Saisonabschluss mit rund 275.000 Nächtigungen, 18.000 mehr als im Winter des Vorjahres.

Aber nicht nur mit den Nächtigungszahlen geht es im Lechtal bergauf. Kohler: „Wir spüren auch, dass sich die Aufenthaltsdauer des Gastes entgegen dem Trend der letzten Jahre wieder verlängert. Diese liegt diesen Winter bei 5,2 Tagen und damit klar über dem Tirolschnitt von 4,9 Tagen.“

Und noch eins zeichnet sich deutlich ab. Das Lechtal tendiert immer mehr hin zur Ganzjahresdestination. Denn während die Wintersaison auf dem Papier noch nicht einmal ganz vorbei ist, sind schon die ersten Wanderer am Lechweg unterwegs. Kohler: „Unser Bestreben geht ganz klar in diese Richtung. Der Herbst hat sich dahingehend schon super entwickelt. Im Frühjahr war es bislang eher schlecht, wobei wir auch hier mit dem Lechweg dagegenhalten werden. Wir haben heuer schon eine extreme Nachfragesteigerung.“ Dass gerade im April vielerorts „die Gehsteige hochgeklappt sind“, sieht Kohler differenziert: „Ja, in diesem Zeitraum sind Unterkünfte eher bei Privatzimmervermietern zu bekommen. Die Hotellerie hat meist drei bis vier Wochen zu. Aber auch dafür habe ich Verständnis. Gerade im touristisch stärkeren oberen Lechtal ist bis eine Woche nach Ostern Vollbetrieb. Viele wollen danach selbst Urlaub machen, um wieder Kraft zu tanken, oder die Zeit für Umbauarbeiten nutzen.“ Die Zeitspanne, in der Hotels und Restaurants geschlossen hätten, sei jedoch relativ kurz. „Der Mai hat sich die letzten Jahre so gut entwickelt, dass die meisten dann eh schon wieder offen haben“, weiß Kohler.

Es werde aber nicht nur in der Hotellerie, sondern auch im Privatzimmerbereich viel investiert. Diese gezielte Qualitätsverbesserung sei ein weiteres Indiz dafür, dass es im Tal aufwärtsgehe – auch im mittleren und unteren Lechtal. Kohler: „Das Kasermandl eröffnet neu, die Kaiserkrone in Elmen wird modernisiert, in Vorderhornbach entsteht ein neuer Campingplatz – alles kleine Teile, die zu einem großen Ganzen verschmelzen und zum Erfolg des Tales beitragen.“

Aber auch wenn in höheren Lagen der Schnee dieses Winters noch nicht geschmolzen ist, denkt der TVB-Geschäftsführer bereits an die Wintersaison 2016/17. „Durch den Liftzusammenschluss von Zürs hinüber nach St. Anton ergeben sich auch für uns neue Möglichkeiten“, blickt Kohler in die Zukunft.




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