Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.05.2016


Standort Tirol

Milchgeld für Bauern sinkt auf 27,3 Cent

Die Agrarpolitik ist machtlos, der Milchpreis sackt weiter ab. Und die Bauern suchen ihr Heil in der Über-lieferung, die 6,5 Prozent beträgt.

© APA (dpa)Zu viel Milch, zu wenig Ertrag: Die Krise am Milchmarkt spitzt sich immer mehr zu. Die Tiroler Milchbauern erhalten wieder weniger Milchgeld.Foto: dpa



Von Peter Nindler

Innsbruck – Es ist die fast schon monatliche Hiobsbotschaft vom Milchpreisbarometer: Die zur Berglandmilch gehörende Tirol Milch hat den Auszahlungspreis für ihre Bauern, die konventionelle gentechnikfreie Milch anliefern, im Mai erneut um neun Cent auf 27,3 Cent gesenkt. „Es ist zwar ein schwacher Trost, aber im Vergleich zu Deutschland, wo Molkereien bereits weniger als 20 Cent bezahlen, stehen wir noch halbwegs gut da“, sagt Tirol-Milch-Obmann Stefan Lindner. Die schwache Kaufkraft in Asien und anderen Ländern sowie das Russland-Embargo würden derzeit keine Hoffnung aufkeimen lassen. „Der Markt läuft aus dem Ruder, mit der Menge haben wir keine Chance mehr“, gesteht auch Tirols Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger offen ein.

Aber die Menge bereitet den Molkereien große Sorgen, die Überlieferung in Europa hält unvermindert an. Laut Stefan Lindner haben selbst die 3200 Tirol-Milch-Bauern im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent mehr Milch angeliefert. Gleichzeitig weist der Tirol-Milch-Obmann jedoch darauf hin, dass bereits 45 Prozent der Bauern auf Spezialmilch umgestellt hätten. Und hier sind die Erzeugerpreise deutlich höher: Heumilch 34,54 Cent, Biomilch 40 Cent und Bio-Heumilch 45,9 Cent. „Deshalb forcieren wir eine Qualitätsstrategie“, ergänzt Hechenberger. Außerdem denke man intensiv über ein Modell der Mengenbegrenzung nach.

Die Stimmung unter den Bauern sei anhaltend schlecht, gibt der Bauernkammerchef unumwunden zu. „Vor allem für jene, die investiert haben, benötigt es ein Sanierungspaket“, klopft Hechenberger bei der Politik an. Die wird sich bei der heutigen Agrarreferententagung ebenfalls mit der Situation am Milchmarkt beschäftigen. „Wir durchschreiten derzeit eine Talsohle, niemand weiß wirklich, wann sie zu Ende ist“, sieht es Bauernbundobmann und Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (VP) realistisch. Über den Landeskulturfonds könnten Zinszahlungen für Investitionsdarlehen vorerst ausgesetzt werden. „Hier wollen wir ein sauberes Paket schnüren.“




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