Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 16.06.2016


Schwaz

„Kühltürme wären Luxus“

Zwar sind Kühltürme als neue Technik begehrt, laut Planungsbüro AEP und Neo-Bergbahnchef Manfred Larch ist das Wasser im Speicherteich Spieljoch aber kalt genug.

Hinter dem derzeitgen Speicherteich am Spieljoch soll heuer ein zweiter für die Beschneiung entstehen.

© Eva-Maria FankhauserHinter dem derzeitgen Speicherteich am Spieljoch soll heuer ein zweiter für die Beschneiung entstehen.



Von Eva-Maria Fankhauser und Angela Dähling

Fügen, Fügenberg – Sie sind mittlerweile für viele Skigebiete unerlässlich: Speicherteiche, die das nötige Wasser für die Beschneiung liefern. Damit aber auch im November bei lauen Temperaturen bereits ein weißes Pistenband am Berg entstehen kann, muss das Wasser kalt genug sein. Dafür sorgt eine Technik mit so genannten Kühltürmen.

„Diese Entwicklungen sind eher neuartig. Man muss sich das aber nicht aufregend vorstellen. Diese Kühltürme sind etwa drei Meter hoch und werden auf die Pumpstation gesetzt und verschwinden optisch beispielsweise im Hang“, erklärt Seilbahner Heinz Schultz. Im Skigebiet Hochzillertal werde die Technik seit einigen Jahren verwendet und Schultz denkt daran, diese noch mehr auszubauen. In der Generalversammlung der Fügener Bergbahn verriet er, dass er von acht Kühltürmen auf bis zu 20 aufstocken werde. Dass der neue Speicherteich am Spieljoch ohne Kühltürme geplant ist, sorgte in ebendieser Sitzung für viel Wirbel – die TT berichtete.

Schultz gebe nicht gerne Empfehlungen von außen ab, aber für ihn ist ganz klar: Es dürfe nur mit dem Bau – egal ob mit oder ohne Kühltürme– gestartet werden, wenn zum spätesten Baustart (1. Juli) die Verträge vergeben sind, die Bagger auffahren können und die Finanzierung gesichert ist. „Sollte der Speicherteich nicht fertig werden, kostet das Überwintern zusätzlich etwa 300.000 bis 400.000 Euro aufgrund von Schnee und Rutschungen im Teich“, erklärt Schultz. Bei ihm seien die Bagger bereits auf der Hochalm aufgefahren, um einen 200.000 m³ großen Speicherteich für das Skigebiet Hochzillertal zu errichten.

Es gebe viele Parameter, die man von außen nicht beurteilen könne, sagt GF Franz Kranebitter (Zeller Bergbahnen) auf Anfrage der TT zur Kühlturm-Diskussion am Spieljoch. „Es gibt Talkessel, da bleibt die Kälte hängen“, gibt er zu bedenken. Michael Rothleitner, einst Vorstand der Mayr­hofner Bergbahnen und jetzt Leiter des Schneezentrums Tirol, betont, dass die Wassertemperatur entscheidend bei der Schneeerzeugung ist. Je wärmer das Wasser, umso mehr Energie müsse für die Schneeerzeugung aufgewendet werden. Wie Kranebitter ist auch Rothleitner überzeugt, dass das Planungsbüro AEP, welches seit Jänner für das Speicherteichprojekt am Spieljoch zuständig ist, keine Fehlplanung vorgelegt hat. „Das sind Experten, die wissen, was sie tun“, sagt er.

Laut AEP-Geschäftsführer Robert Wendlinger habe man den Fügener Bergbahnen auch eine Planungsvariante mit zwei Kühltürmen vorgelegt. „Aus Kostengründen und aufgrund der Temperaturaufzeichnungen am bestehenden Speicherteich will man derzeit darauf verzichten. Alles wird aber so gebaut, dass Kühltürme ohne zusätzliche Kosten in einer zweiten Baustufe dazugebaut werden können“, erklärt Wendlinger. Laut ihm sei eine Beschneiung problemlos ohne Kühltürme möglich, selbst wenn so milde Witterungsbedingungen wie im letzten Winter herrschten. Da habe das Wasser im Teich auf 1670 Metern eine Temperatur von 2 Grad gehabt. „Der Teich ist windüberströmt. Dieses örtliche Kleinklima kann einige Kilometer weiter ganz anders sein“, erklärt er. Auch Manfred Larch, interimsmäßiger Geschäftsführer der Fügener Bergbahn, betont, dass das Wasser im Speicherteich ab Mitte November zwischen 0,2 bis maximal 4 Grad aufweise und damit nicht gekühlt werden müsse. „Kühltürme wären Luxus“, sagt er. Eine Abstimmung darüber falle in der Sitzung am Montag, wenn der Verwaltungsratsvorsitzende und Bauausschuss gewählt werden. Den Baustart 1. Juli könne man laut Larch einhalten. Die Firmen seien informiert, ein vorzeitiger Baubeginn möglich und der Baubescheid werde täglich erwartet.