Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.06.2016


Bezirk Kitzbühel

Verdacht auf illegalen Zweitwohnsitz in Jochberg

Eine Wohnung in Jochberg soll von einer deutschen Staatsbürgerin als Zweitwohnsitz genutzt werden. Die BH Kitzbühel beobachtet den Fall.

© RußeggerJochberg vor der Kulisse der Hohen Tauern. In der Gemeinde vermutet ein Jochberger Bürger einen illegalen Zweitwohnsitz. Die BH will der Sache nun verstärkt auf den Grund gehen.



Von Miriam Hotter

Jochberg – Die Geschichte beginnt im Jahr 2013. Ein Jochberger Bürger erinnert sich: Sein Bekannter hegte damals den Verdacht, dass eine wohnbauförderungswürdige Wohnung von einer deutschen Staatsbürgerin als Zweitwohnsitz genutzt wird. Darauf angesprochen habe der damalige Bürgermeister Heinz Leitner gemeint, dass das nun mal so sei und dass man halt schauen werde. „So war das nicht. Der Mann ist zu mir gekommen und hat gesagt, dass diese Wohnung an andere weitervermietet wird. Ich sagte daraufhin, dass das eine privatrechtliche Geschichte ist und die Dame die Vermietung auch beim TVB angemeldet hat“, entgegnet Leitner und betont, dass der Nachweis illegaler Zweitwohnsitze sehr schwierig sei. Mit dieser Erklärung wollte sich der Jochberger aber nicht zufriedengeben und erstattete Anzeige gegen Leitner.

Die Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs wurden zwar eingestellt – doch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft sendete an die Grundverkehrsbehörde in Kitzbühel ein Schreiben mit der Forderung, dem Verdacht auf illegale Wohnungsnutzung auf den Grund zu gehen.

Martin Grander von der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel erinnert sich an den Erhalt des Schreibens. „Der Fall wurde dann von uns aufgegriffen, es wurde auch ermittelt. Doch die Suppe war damals zu dünn.“

Nun will sich die BH dem Fall wieder verstärkt annehmen. Das bedeutet laut Grander, dass die Wohnung „zum gegebenen Zeitpunkt kontrolliert wird“ – durch Hausbesuche oder Recherche im Internet. Für ein Strafverfahren benötige die BH stichfeste Beweise, „sonst erleiden wir Schiffbruch, wie schon so oft“.

Dass es einen Verdacht auf einen illegalen Zweitwohnsitz in Jochberg gibt, war dem jetzigen Bürgermeister Günter Resch zunächst neu. „Davon weiß ich nichts.“ Doch nach Absprache mit Martin Grander habe man sich darauf geeinigt, der Sache verstärkt nachzugehen. Die beiden Männer wollen jenen Jochberger, der den Stein bereits 2013 in Rollen gebracht hat, nun um eine Zeugenaussage bitten. „Denn er weiß am besten, wann die deutsche Staatsbürgerin anwesend sind und wann nicht“, sagt Resch und verspricht, illegale Zweitwohnsitze in seiner Gemeinde nicht zu dulden.