Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.08.2016


Standort Tirol

Postfuchs findet kein neues Zuhause

Im September schließt die Postfiliale in Zell. Die Angst, draufzuzahlen, schreckt mögliche Postpartner ab.

Zell am Ziller

© DählingZell am Ziller



Von Angela Dähling

Zell a. Z. – Mit allen Mitteln wollte Bürgermeister Robert Pramstrahler um „seine“ Postfiliale in Zell kämpfen. Doch den Traum vom Erhalt der Post hat er nach nur vier Monaten begraben müssen. Und das, obwohl die Zeller Filiale täglich laut Gemeindechef von 200 bis 300 Personen frequentiert wurde.

„Mit 16. September wird die Filiale zugesperrt, angemeldet haben wir das bei der Regulierungsbehörde Mitte April. Zugesperrt werden darf nur, wenn die Zahlen der letzten drei Jahre ein Minus belegen“, erklärt Post-Pressesprecher Michael Homola auf Anfrage der TT. Seit Wochen ist BM Pramstrahler nun erfolglos damit beschäftigt, Betriebe aufzusuchen, die als Postpartner in Frage kommen könnten. „Ich habe mit neun Unternehmern gesprochen. Doch keiner von ihnen wollte Postpartner werden“, schildert Pramstrahler.

Es brauche halt zusätzlichen Platz für Schalter und Lager, zudem müsste jemand angestellt werden. Und dass sich das finanziell ausgehen werde, bezweifeln die meisten angesichts des Provisionsmodells der Post, weiß Pramstrahler: „Obwohl durch das Postangebot eine deutliche Frequenzsteigerung zu erwarten ist, trauen sich Betriebe aus Kostengründen über eine Neuanstellung nicht drüber.“

Einer, der das absolut nachvollziehen kann, ist der Tuxer TVB-Geschäftsführer Hermann Erler. Sein Tourismusverband fungiert seit rund sieben Jahren als Postpartner. Im Oktober letzten Jahres reichte es dem TVB aber, er kündigte den Vertrag. „Wir hatten eine Halbtageskraft einstellen müssen, weil der Aufwand doch beträchtlich ist. Aber die Provision der Post deckte noch nicht mal die Personalkosten. Das steht einfach in keinem Verhältnis“, sagt Erler. Jährlich sei man auf 5000 bis 6000 Euro sitzengeblieben. Weil sich in Tux kein Betrieb fand, habe man den Vertrag notgedrungen verlängert und mit der Gemeinde ein Abkommen getroffen, dass sie den Postbetrieb bezuschusst. Für den Postkunden habe sich laut Erler vieles zum Nachteil entwickelt. Es fehle für Postbankkunden vielerorts die nötige Intimzone für die Abwicklung von Bankgeschäften. Erler: „Und wenn bei uns jemand mehrere tausend Euro vom Konto abheben will, geht das nur nach Anmeldung. Denn wir müssen das Geld bestellen.“

Auch in Zell stellt sich mittlerweile die Frage, ob die öffentliche Hand in Form von TVB und/oder Gemeinde als Postpartner in die Bresche springen muss. „Das wäre mit den Mandataren und dem TVB abzuklären“, meint BM Pramstrahler zögerlich. Gemeinde und TVB entstünde nur ein erhöhter Aufwand, Betriebe könnten indes von der stark erhöhten Frequenz durch Postkunden profitieren, meint er. „Wir stehen nicht als Postpartner zur Verfügung“, stellt indes TVB-Obmann Michael Staudacher klar. Das wäre schon aus Platzgründen nicht möglich, erklärt er. Auf den Vorwurf, dass sich das Ganze nicht rechne, kontert Post-Pressesprecher Homola mit der Gegenfrage: „Warum gibt es dann 1300 Postpartner in Österreich?“