Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.08.2016


Standort Tirol

Der Sonnenkönig von Oetz

In Eigenregie hat die Ötztaler Familie Sonnweber ihren Bauernhof in kürzester Zeit saniert und auf den vorhandenen Dächern Photovoltaikanlagen installiert.

„Die Sonne schickt uns keine Rechnung“, lacht Andreas Sonnweber. <span class="TS_Fotohinweis">Foto: Energie Tirol</span>

© Energie Tirol„Die Sonne schickt uns keine Rechnung“, lacht Andreas Sonnweber. Foto: Energie Tirol



Innsbruck – Seit über 20 Jahren arbeitet die Familie Sonnweber auf ihrem Reaß’nhof und konnte sich über die Jahre als ein für höchste Qualität bekannter Direktvermarktungsbetrieb etablieren. Doch vor gut zwei Jahren musste die Familie einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen, als Andreas’ Vater plötzlich verstarb. Andreas, der immer schon im Betrieb mithalf, stand vor einigen schwierigen Entscheidungen.

Die meisten Anlagen am Hof waren sanierungsbedürftig. Kurzerhand übernahm er den Betrieb und damit wurde die Idee geboren, eine PV-Anlage zu errichten. „Auf einem Fresszettel notierte ich geschätzte Kosten für Material und einen Zeitplan. Damit ging ich zur Bank“, lacht Andreas. „Anfangs hatten viele große Zweifel, nichtsdestotrotz ließ ich mich von meiner Vision nicht abbringen.“ „In Eigenregie haben wir dann alles Mögliche abmontiert, vermessen, betoniert, neu montiert, Rundhölzer „geschepst“ (Anmerkung: entrindet) und eine 145-kWpeak-PV-Anlage installiert.“

Auch seine Mutter Roswitha erinnert sich: „Ich stand auf dem Dach und mir war angst und bange. Aber die Familie musste zusammenhalten und das hat sie getan.“ Nach ein paar Monaten, vielen Stunden Arbeit und wenig Schlaf hatten es die Sonnwebers geschafft. „Wir können uns jetzt selbst mit Strom versorgen, der Rest wird ins Netz eingespeist und an unserer E-Tankstelle gratis zur Verfügung gestellt.“

Anfangs sorgte diese E-Tankstelle für Gelächter. Wozu bräuchte der Sonnweber eine E-Tankstelle, fragten sich viele im Dorf. Andreas hatte eine Antwort parat: „Der Strom, den wir beziehen, ist gratis. Die Sonne schickt uns keine Rechnung. Die E-Mobilität wird in ein paar Jahren nicht mehr wegzudenken sein. Über die Tankstelle lerne ich Leute kennen, die heute schon bewusst auf eine nachhaltige Form der Mobilität umgestellt haben. Diese lassen mich aktiv daran teilhaben, auch wenn ich selbst noch kein eigenes E-Auto habe. Die Betonung liegt auf ,noch‘“, schmunzelt Andreas. „Außerdem kehren die meisten, die hier tanken, auch bei uns im Hofladen ein. Das ist also ein Geben und Nehmen“, fügt Roswitha hinzu. Die Sonnwebers verwenden Strom jetzt bewusster: „Warum müssen wir Strom von irgendwoher beziehen, wenn der heimisch produzierte genauso zuverlässig ist?“, meint Roswitha.

Und: „Ohne die Unterstützung meiner Familie, Freunde und Nachbarn, allen voran meines Bruders Markus, wäre dieses Großprojekt nicht zu stemmen gewesen“, ist Andreas dankbar. (TT)