Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.08.2016


Innsbruck

Verzicht auf Bauqualität ist „Unsinn“

Eine Studie der TU Wien bestätigt die Nachhaltigkeit von Passivhäusern. Für billigeren Wohnraum wird laut Prof. Achammer am falschen Platz gespart.

© NHT/OssDie NHT-Chefs Hannes Gschwentner (l.) und Klaus Lugger (r.) mit Studienautorin Julia Reisinger und TU-Prof. Christoph Achammer.



Innsbruck – Leistbarer Wohnraum. Das steht heute auf der politischen Agenda ganz oben. Sogar der renommierte Tiroler Architekt und Professor an der Technischen Universität Wien (TU) Christoph Achammer hält die derzeit vorhandene Relation zwischen Neubaukosten und einem Durchschnittseinkommen in Österreich für einen „sozialpolitischen Skandal“. Der mancherorts, so auch in Tirol, geführten Diskussion über eine Senkung der Wohnkosten durch zurück­geschraubte Baustandards kann Achammer aber schon gleich gar nichts abgewinnen: „Das ist politischer Unsinn.“

Wolle die Politik wirklich leistbaren Wohnraum schaffen, so wüsste Achammer drei dringlichere Stellschrauben, an denen gedreht werden müsste. Als da wären: zualler­erst die Grundstückskosten. Diese gelte es zu senken. Dem stünde aber entgegen, dass „die Widmungsgewinne privatisiert werden“. Hier sei die Raumordnung der zen­trale Machtfaktor. Aber auch in den Errichtungsprozessen sowie dem in Österreich vorherrschenden „Vorschriften-Wust“ lägen massive Einsparpotenziale. Die Politik sei hier gefordert.

Dass qualitativer und energie­effizienter Wohnbau langfristig nachhaltig sei, haben die Neue Heimat Tirol (NHT) und die TU nun in einem Studienprojekt zur Passiv­hausanlage „Loden­areal“ in Innsbruck wissenschaftlich dokumentiert. Demnach sei ein Passivhaus nicht nur von seiner Energieeffizienz her optimal, sondern auch für den „ökologischen Fußabdruck“.

Auf Basis der über drei Jahr­e erfolgten Aufzeichnungen und Vergleichstudien sei man zu dem Ergebnis gekommen, so Achammer und Studienautorin Julia Reisinger, dass das Passivhaus auch unter Einrechnung des erhöhten Materialaufwandes „angesichts der realisierten CO2-Einsparungen im Betrieb zu rechtfertigen“ sei.

Dort, wo es noch am meisten einzusparen gelte, so die beiden NHT-Chef Klaus Lugger und Hannes Gschwentner, sei im Bereich des individuellen Haushaltsstroms. Eine Aufklärungskampagne sei in Vorbereitung.

Die NHT hat bereits 3.383 Passivhaus-Wohnungen gebaut, weitere 577 stehen vor der Realisierung. Sie zählt sich zu den EU-weiten Vorreitern auf diesem Gebiet. (mami)