Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.09.2016


Selbstanzeige

Arbeit für Flüchtlinge: Area47 räumt Fehler ein

Area47 spricht bei Einsatz von Asylwerbern von Fehlinterpretation der Gemeinnützigkeit und zahlt nach Selbstanzeige Löhne nach.

© Thomas Boehm / TT



Innsbruck – Der Einsatz von Asylwerbern für Arbeiten im Freizeitpark Area47 sorgt im Ötztal für Diskussionen. Die Area47 räumte gestern in einem Schreiben an die TT ein, die Grenzen der gemeinnützigen Arbeit der Asylwerber falsch interpretiert zu haben. Nach einer Selbstanzeige würden in Abstimmung mit der Krankenkasse Löhne und Abgaben nachgezahlt.

Was war passiert? Asylwerber dürfen laut Grundversorgungsgesetz für gemeinnützige Hilfstätigkeiten für Bund, Land, Gemeinde eingesetzt werden, laut Ausländerbeschäftigungsgesetz sehr eingeschränkt auch in der Privatwirtschaft. Laut Area47-Geschäftsführung wurden in der Vergangenheit insgesamt rund 50 Asylwerber mit deren Einverständnis sowie mit Einverständnis der Gemeinde zur Reinigung der öffentlichen Wege im Freizeitpark-Areal eingesetzt. Die Area47 habe den Flüchtlingen eine sinnvolle Beschäftigung bieten wollen und anstelle der Gemeinde selbst den gesetzlichen Höchstbetrag von 3 Euro pro Stunde bezahlt, erklärte die Geschäftsführung.

Dabei blieb es aber nicht. „Im Rahmen dieser Arbeiten haben wir leider die Grenzen der Gemeinnützigkeit falsch interpretiert. Das ist ein Fehlverhalten, für das die Geschäftsführer die Verantwortung übernehmen“, teilten die Area-Chefs Christian Schnöller und Michael Reden-Neuner mit. Denn neben der Reinigung der öffentlichen Wege hätten Asylwerber weitere Arbeiten übernommen: etwa den Badesee gereinigt oder das Eventgelände aufgeräumt. Pro Asylwerber habe sich diese Beschäftigung auf zwei Wochen in eineinhalb Jahren belaufen. Ein „weiteres Fehlverhalten“ sei beim Bau des Wakeboard-Sees passiert, bei dem Flüchtlinge Riegeln vertragen und Schaltafeln gereinigt hätten. „Auch hier waren wir uns der Unzulässigkeit des Handelns nicht bewusst. Wir bedauern diese Fehler“, so die Area-Chefs: „Wir halten fest, dass wir diese Praxis in dem Moment, in dem sie uns klar wurde, eingestellt und auf Eigeninitiative zur Selbstanzeige gebracht haben.“ Gemeinde und Flüchtlingsheim hätten nichts von dem fehlerhaften Einsatz gewusst.

In Absprache mit der TGKK seien die Arbeiten am Wakeboard-See laut Kollektivvertrag abgegolten worden – insgesamt eine Bruttolohnsumme von 9000 Euro. Bereicherungsabsicht weist die Area47 mit Verweis auf das Gesamtin-vestition von 2 Mio. Euro zurück. Für die Reinigungsarbeiten sei die Lohndifferenz teils nachbezahlt sowie ein fünfstelliger Betrag auf ein Treuhandkonto eingezahlt worden, aus dem die Flüchtlinge bezahlt würden. Ein Verwaltungsstrafverfahren sei anhängig.

Die TGKK verwies wegen des laufenden Verfahrens auf die Schweigepflicht. Die Finanzpolizei bestätigte eine Kontrolle im Sommer. Der Fall sei in Bearbeitung. (TT)