Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.09.2016


Exklusiv

Preis bleibt im Keller, Kammer zweifelt bereits an Tirol Milch

Milchgeld wird nicht erhöht, Landwirtschaftskammerchef Hechenberger sauer: „Bauern nicht mit Hungerlohn abspeisen.“ Tirol Milch kontert Kritik.

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© thomas boehm



Innsbruck – Jetzt herrscht endgültig Eiszeit zwischen der Interessenvertretung der Bauern und dem größten österreichischen Milchverarbeiter Berglandmilch. Zu ihr gehört mittlerweile auch seit Jahren die Tirol Milch. Obwohl die Preisentwicklung deutlich nach oben zeigt, erhöht die Tirol Milch den Erzeugerpreis für ihre 3200 Milchlieferanten auch im Oktober nicht. Lediglich 27,3 Cent erhalten die Landwirte seit Monaten für konventionelle Milch. „Das kann es nicht sein: Auf negative Entwicklungen wird sofort mit der Senkung des Milchgelds reagiert, doch bessere Preise werden nicht weitergegeben“, übt Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger scharfe Kritik. Nicht nur die Tirol Milch agiere hier zulasten der Bauern, sondern auch andere in Tirol ansässige Milchverarbeitungsbetriebe.

Für Hechenberger gibt es keinen Aufschub mehr. „Die Kärntnermilch hat zuletzt den Milchpreis rückwirkend ab September für ihre Lieferanten um 1,7 Prozent erhöht. Was in Kärnten möglich ist, sollte in Tirol ebenfalls gelten.“ Der Unmut an der seinerzeitigen Eingliederung der Tirol Milch in die Berglandmilch wird indessen immer größer, schließlich wurde damals mit stabilen und höheren Preisen geworben. Hechenberger will die „Ausreden“ der Funktionäre über eine notwendige weitere Stabilisierung des Marktes nicht mehr hören. „Sie stehen in der Pflicht. Steigerungen am Milchmarkt sind sofort weiterzugeben, die Bäuerinnen und Bauern dürfen nicht durch die Finger schauen und weiterhin nur einen Hungerlohn für ihre Arbeit erhalten.“

Tirol-Milch-Obmann Stefan Lindner kontert, er will die Vorwürfe so nicht im Raum stehen lassen. „Wir haben über Monate Preise ausbezahlt, die beispielsweise über dem Niveau der Kärntnermilch lagen. Wir wissen auch, dass wir etwas tun müssen.“ Doch man sei noch an bestehende Verträge mit den Handelsketten gebunden – und die seien eben auf einer niedrigeren Basis abgeschlossen worden, fügt er hinzu. Letztlich gehe es auch um die unternehmerische Verantwortung.

Daran appelliert gleichsam Kammerchef Josef Hechenberger. „Ich verstehe nicht, dass die Geschäftsführung nicht in der Lage ist, mit dem Handel bessere Verträge abzuschließen. Die Tiroler Milchbauern benötigen endlich ein positives Signal.“ Sollte die Tirol Milch nicht nachbessern, braucht es einen Tiroler Milchgipfel, fordert der Standesvertreter die Politik zum Handeln auf. „Es kann nicht sein, dass der bäuerliche Leitbetrieb in Tirol die Bauern im Stich lässt.“ (pn)