Letztes Update am Di, 04.10.2016 14:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steuerhinterziehung

Deutsche Steuerfahnder nehmen Tiroler Banken erneut ins Visier

Alte Selbstanzeigen in Deutschland liefern Hinweise zu neuen Steuerhinterziehern, auch in Tirol.

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Wuppertal, Innsbruck – Steuerfahnder aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) haben in den vergangenen beiden Jahren gegen 57 Banken aus der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und auch Österreich Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingeleitet. Das berichtet die Süddeutschen Zeitung (SZ) in ihrer Dienstagsausgabe. Dabei seien auch Banken in Tirol wieder ins Visier der Fahnder geraten.

Denn die Analyse alter Selbstanzeigen von Steuerbetrügern führt die Steuerfahnder aus Wuppertal nun auf die Spur neuer Fälle. Und die Ermittler gehen inzwischen völlig neue Wege. Die Steuerbehörden warten nicht mehr auf Anzeigen von betrogenen Ehefrauen oder auf CDs von Händlern mit mehr oder weniger interessanten Daten, sondern würden sich anschauen, so die SZ, welche Banken bei Selbstanzeigen der Steuerbetrüger auftauchen. Die einzelnen Fälle werden im Computer zusammengefügt und die früheren Steuerbetrüger dann von Fahndern über das Geschäftsgebaren der Bank ausgefragt. Und Kunden, die bereits eine Selbstanzeige erstattet haben, seien in aller Regel sehr gesprächsbereit, so die SZ.

Fünf Verfahren mit Österreich-Bezug

Durch diese Analysen geraten nun erneut Banken in Verdacht, die schon vor Jahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung aufgefallen waren. Vor allem Banken in Tirol, in Vorarlberg und im Kleinwalsertal sind so durch die Selbstanzeigen-Analyse der Wuppertaler Steuerfahndung erneut ins Blickfeld der deutschen Ermittler geraten.

Konkret geht es laut SZ um die bisher aufgelisteten fünf Verfahren der NRW-Finanzbehörden mit Bezügen zu Österreich. Ins Visier geriet dabei auch wieder der kleine Ort Jungholz, der rund 300 Einnwohner hat - und drei Banken mit den höchsten Einlagen Österreichs. Der Ort hatte damit die größte Bankendichte Österreichs und war früher als Enklave das bevorzugte Ziel deutscher Steuerhinterzieher.

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Zweite Ermittlungsbehörde notwendig

Bis zu vier Milliarden Euro schlummerten in Spitzenzeiten hier auf Nummernkonten – von Raiffeisenbank über Volksbank bis zur Sparkasse. Die Eigentümer: meist deutsche Staatbürger. Viele von ihnen haben mittlerweile ihre Konten aufgelöst, manche haben sich selbst angezeigt. Einige der Banken haben Mitarbeiter entlassen müssen.

Wieviele „alte“ oder gar „neue“ Fälle auftauchen könnten, lasse sich derzeit nicht sagen. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat auf Grund der enormen Zahl der bereits bekannten Fälle eine zweite Ermittlungsbehörde mit den Untersuchungen beauftragen müssen.

NRW habe nach Angaben des Finanzministeriums von 2010 bis heute durch Selbstanzeigen, Bußgeldzahlungen von Bürgern und Banken und so weiter rund 2,3 Milliarden Euro kassiert. (APA, TT.com)