Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.10.2016


Standort Tirol

Frauenlöhne werden Fall für Landtag

Die Oppositionsparteien schlagen Alarm und bringen einen Dringlichkeitsantrag ein.

© thomas boehm(Symbolfoto)



Innsbruck – Der kürzlich in der TT veröffentlichte neue Einkommensbericht des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger sorgt für ein landespolitisches Nachbeben: Demnach lagen die Einkommen der Tiroler (inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld, dividiert durch zwölf Monate) im Vorjahr mit durchschnittlich 2356 Euro brutto weiterhin nur auf dem vorletzten Platz der Bundesländer – mit immerhin 123 Euro brutto weniger als der Bundesschnitt und sogar um 247 Euro weniger als die führenden Vorarlberger. Alarmierend groß auch die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern: Demnach verdienen die Männer in Tirol im Schnitt um 48 Prozent mehr als die Frauen (2807 gegenüber 1902 Euro brutto).

Auf Initiative von Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider wurde versucht, mit allen Frauensprecherinnen eine gemeinsame Initiative zustande zu bringen. Zumal sich ÖVP und Grüne noch nicht angeschlossen hätten, gibt es jetzt vorerst den Schulterschluss aller Oppositionsparteien (SPÖ, FPÖ, Liste Fritz, Impuls Tirol und Andrea Krumschnabel), die einen gemeinsamen Dringlichkeitsantrag im Landtag einbringen. Darin wird die schwarz-grüne Landesregierung aufgefordert, konkrete Maßnahmen zur Verkleinerung der Einkommenskluft zwischen Frauen und Männern auszuarbeiten und bis Oktober 2017 vorzulegen.

Das Gros der Kinderbetreuung und der Haushaltsführung liege weiterhin bei den Frauen, die dann oft in Teilzeit, in Saison- und atypischen Jobs tätig seien. Die Hälfte der Tirolerinnen verdiene sogar weniger als 1000 Euro netto. Damit sei eine eigenständige Lebensführung kaum möglich, zudem drohe vielen Frauen die Altersarmut. Immerhin seien als Folge der Einkommensunterschiede auch die Pensionen der Frauen um 41 Prozent niedriger als jene der Männer. Niedrige Einkommen bei hohen Lebenshaltungskosten, etwa fürs Wohnen, sei ein gefährlicher Cocktail.

Nach Ansicht der Oppositionsparteien sei die Landesregierung dringend gefordert, sich des Themas jetzt anzunehmen. In den letzten Jahren habe es nämlich nicht nur keine Verbesserung, sondern eine weitere Verschärfung der Situation gegeben. (va)