Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.10.2016


Reutte

Eiskalte Bespaßungspakete

Die Reuttener Firma AST geht in einer Art Pilotprojekt in der Schweiz neue Wege. Der Spezialist für Absorbertechnologie bietet nun Gesamtunterhaltungslösungen an. Berühmte Wintersportorte greifen zu.

Der Reuttener AST-Schweiz-Geschäftsführer Andreas Witting ist stolz auf die jüngste Entwicklung: ein Anbieter von Technik samt Events.

© Mittermayr HelmutDer Reuttener AST-Schweiz-Geschäftsführer Andreas Witting ist stolz auf die jüngste Entwicklung: ein Anbieter von Technik samt Events.



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Davos – Kling, Glöcklein, klingelingeling. Die stolzen Eltern aus Japan verfolgen wohlgewärmt auf einer Tribüne in den Schweizer Bergen ihren Nachwuchs, wie er mitten in einem in warme Farben getauchten Weihnachtsmarkt auf einer Eisfläche seine Runden dreht. Der riesige, leuch­tende Weihnachtsbaum überragt strahlend die Szenerie. Glückliche Menschen, bestens unterhalten … – Drehbuch für einen internationalen Werbetrailer der Region St. Moritz? Keineswegs. Reuttener Eistechniker haben dem Gemeinderat des zweifachen olympischen Winterspielortes kürzlich ein Konzept präsentiert, das mehr als Länge und Breite mal gefrorenem Wasser beinhaltet. Und die Oberengadiner zeigten sich höchst interessiert. 2018 möchte die Firma AST dort eine hochwertige, stimmige Eislandschaft bauen; ein Gesamtpaket – bis hin zu Weihnachtsbaum, Lichttechnik und Dekomaterial.

Der Reuttener Andreas Witting, Geschäftsführer der AST Schweiz und Vertriebsleiter von Frankreich und Spanien, zeichnet verantwortlich für den Paradigmenwechsel. Beim Infrastruktur- und Technikanbieter für Absorbertechnologie leitet er in der Schweiz in einer Art Pilotprojekt einen Umbruch ein. Künftig sollen „Eisträume“ von AST komplett abgewickelt werden. „Für Schneesicherheit gibt es heute keine Garantie mehr. Und der Gast will auch bei schlechtem Wetter bespaßt sein. Wir bieten Rundumpakete vom Gastro­bereich über Ticketing bis zum Weihnachtsmarkt mit an. Der Kunde kann wählen, was er noch selbst machen will und was wir übernehmen“, erzählt der 28-jährige Außerferner begeistert von großen Erfolgen. Ein Marketing- und Eventfachmann, der in der Vergangenheit Kunde für Großevents war, ist dafür zu AST gestoßen und erweitert den Teamspirit.

In Lenzerheide entsteht hingegen eine eher familiär geprägte Anlage bis hin zum Weihnachtsbaum.
In Lenzerheide entsteht hingegen eine eher familiär geprägte Anlage bis hin zum Weihnachtsbaum.
- AST

Gerade die Schweiz hat mehr Aufholbedarf im Eventbereich als andere Winterdes­tinationen, ist sich Witting sicher. Bereits heuer errichtet das Reuttener Unternehmen in Davos und Lenzerheide mehr als nur Eisanlagen. Hier wird Ice Cross Downhill für jedermann als sportlicher Ansatz integriert, dort der familiäre Charakter der Anlage herausgearbeitet. Längst gibt es Lösungen für Glühweintrinker auf Kufen bis hin zu in die Jahre gekommene Eishockeycracks. Interlaken, die Jungfrau-Region oder die Tourismusregion Graubünden zählen zu den Kunden.

„Und alles muss immer schneller gehen. In Zürich errichten wir heuer zum Beispiel eine komplexe Eisbahn in nur vier Tagen. Dafür wird dann kurz vor Weihnachten 96 Stunden Tag und Nacht durchgearbeitet. Auch am 24. Dezember. Mitarbeiter, denen diese Feiertage nicht so viel bedeuten, ziehen das durch“, plaudert Witting aus der anspruchsvollen Praxis.

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In Davos (l.) errichtet die AST in wenigen Wochen eine große Sport-Eislandschaft mit Crashed-Ice-Modulen.
In Davos (l.) errichtet die AST in wenigen Wochen eine große Sport-Eislandschaft mit Crashed-Ice-Modulen.
- AST

Die Firma AST, eine 100-Prozent-Tochter der Reutte Holding, installiert und betreut aktuell im Jahr 300 Eisbahnen; auch mit Partnerunternehmen in anderen Ländern, weil der Arbeitsanfall längst nicht mehr selbst abgewickelt werden könnte. 40 fixe AST-Mitarbeiter und unzählige Freelancer sind weltweit tätig. AST ist nach eigenen Angaben Innovations-, Technologie- und Marktführer für Absorber-Systeme.

Einen persönlichen (Eis)-Traum hat Witting auch: „Das, was wir gerade in der Schweiz umsetzen, wäre für Reutte fantastisch und würde auch hier für einen enormen Mehrwert sorgen.“ Er würde Eislaufplatz, Hauptschulparkplatz und Park im Untermarkt in eine einzige Erlebniswelt verwandeln. „Das würde Gäste von Kempten bis Garmisch anlocken. Der Wintergratis­zug würde damit auch in Richtung Reutte gefüllt sein“, glaubt Witting.