Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.10.2016


Bezirk Landeck

Kraftwerk Stanzertal unter Druck

Aufgrund des niedrigen Strompreises müssen die am Kraftwerk Stanzertal beteiligten Gemeinden auf Zinsen verzichten. Die Kraftwerksbetreiber hoffen auf Besserung.

© WenzelDer niedrige Strompreis trifft auch das Kraftwerk Stanzertal, an dem sich auch fünf Gemeinden aus dem Bezirk beteiligt haben.



Von Matthias Reichle

Zams, Stanzertal – „Das Kraftwerk läuft hervorragend, ist technisch auf dem neuesten Stand, war schneller fertig gebaut als geplant. Alles, was beim Kraftwerksbau ein Risiko ist, hat gepasst. Nur, als wir fertig waren, war der Strompreis im Keller“, erklärt der Geschäftsführer der Wasserkraftwerk Stanzertal GmbH, Jakob Klimmer, das Dilemma. Die Preissituation bringt die Gesellschafter gerade am Beginn der Rückzahlungen unter Druck. Am 52 Mio. Euro teuren Projekt, das im Oktober 2014 ans Netz ging, sind neben den Elektrizitätswerken Reutte, den Stadtwerken Imst und den EWA St. Anton auch fünf Gemeinden aus dem Bezirk Landeck beteiligt: St. Anton, Pettneu, Flirsch, Strengen und Zams. Auch sie müssen nun finanzielle Einbußen hinnehmen.

Zuletzt hat nun die Gemeinde Zams dem Biss in den sauren Apfel zugestimmt. Sie muss auf Zinsen verzichten, die aus einem Darlehen, mit dem sie sich am Projekt beteiligt hat, geflossen wären. Die Liquidität der Gesellschaft sei angespannt, erklärte der Zammer Bürgermeister Siggi Geiger.

Statt vier erhalten die Gemeinden nur noch zwei Prozent. Doch auch die kommen nicht zur Auszahlung. Dieser Rest wird nämlich bis mindestens 31. Dezember 2020 gestundet. Zusätzlich wurde beschlossen, dass das Darlehen der Gemeinde Zams in Höhe von 305.403,30 Euro im Fall einer Liquiditation erst zurückgezahlt wird, wenn alle anderen Gläubiger befriedigt wurden. Beziehungsweise nachdem ein negatives Ergebnis ausgeglichen wurde. Das stärke das Eigenkapital, so Klimmer.

„Bei Baubeschluss lag der Strompreis bei sechs Cent pro Kilowattstunde“, erläutert er. Heuer habe man den Strom um 3,1 Cent verkaufen können. „Wir sind finanziell abgesichert. Die beteiligten Energieversorgungsunternehmen (EVU) zahlen bis 2018 die Differenz auf sechs Cent. Der Cashflow ist damit gegeben.“

Die EVUs bringen die Differenz in Form eines zusätzlichen Darlehens ein, erklärt der Imster Vizebürgermeister Stefan Krismer – die Stadt ist über die Stadtwerke Imst beteiligt. „Wir haben eine befristete Strompreisgarantie gegeben.“ Auch die EVUs würden auf die Hälfte der Zinserträge aus dem Gesellschafterdarlehen verzichten. In ihrem Fall erhalten sie statt 5,5 nur noch 2,75 Prozent. Das sei aber auch als Anpassung an den aktuellen Zinsmarkt zu sehen, so Krismer.

„Erfreut ist niemand“, betont Klimmer. „Ich bin überzeugt, dass die Situation in zwei, drei Jahren Geschichte ist“, betont er. „Irgendwann wird das Spiel sich drehen und der Strompreis geht kräftig nach oben.“ Für die EVUs sei es kein Problem. Sie würden das langfristig sehen.

BM Geiger glaubt ebenfalls an eine positive Entwicklung. „Wir gehen davon aus, dass sich der Strompreis wieder ändert. Wenn die Menschen etwas brauchen, dann ist es Energie.“ Auch FP-Gemeinderat Mathias Venier hofft auf eine Besserung. „Die Preise sind anders als vorhergesagt. Mit der Wasserkraft verdient man kein Geld.“ Der Gemeinderat gab schlussendlich grünes Licht.

Der Strenger Bürgermeister Harald Sieß wird die Beschlüsse für seine Gemeinde demnächst auf die Tagesordnung setzen. Es sei natürlich bitter. Die Entscheidung, sich am Kraftwerk zu beteiligen, bereue er jedoch nicht.