Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.10.2016


Standort Tirol

„Österreich ist kein guter Boden für Start-ups“

Business Angels machten in Innsbruck Werbung für „riskante Investition“.

© Thomas Boehm / TTGünter Höfert (Von Erl), Ingeborg Freudenthaler (Adlerrunde), Michael Altrichter (AAIA), Johann „Hansi“ Hansmann (AAIA), Wolfgang Eisl (UBS Österreich) und Roland Führer (KSV 1870) diskutierten mit TT-Chefredakteur Alois Vahrner über Erfolgsaussichten heimischer Start-ups und die Business-Angel-Szene in Österreich.Böhm



Innsbruck – „Die neue Frittenbude ums Eck ist nicht gleich ein Start-up“, stellte Business Angel Michael Altrichter gleich am Beginn der Diskussionsveranstaltung klar, die von der Schweizer Großbank UBS gemeinsam mit der Österreichischen Business-Angel-Vereinigung AAIA (Austrian Angels Investors Association) in der Villa Blanka veranstaltet wurde.

Start-up-Unternehmen würden sich durch ihr Potenzial zu schnellem Wachstum auszeichnen, erklärte Investor Hansi Hansmann. Meist sind es Jungunternehmer, die im Bereich der Digitalisierung innovative Produkte liefern. Die beiden Business Angels sind bekannt von der Puls-4-Sendung „2 Minuten, 2 Millionen“, in der Firmengründer um Investoren buhlen.

„Investitionen in Start-ups sind hochriskant, das gesamte Geld kann auch weg sein“, warnten die beiden hauptberuflichen Investoren. Umso wichtiger sei es, die Unternehmen auf Herz und Nieren zu überprüfen, bevor man sein Geld hineinstecke. Im besten Fall könne sich die Investition dann auch vervielfachen. Hansmann hat laut eigenen Angaben aktuell in 40 Unternehmen investiert, die insgesamt rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen. Unter anderem auch in das Tiroler Unternehmen Kiveno. Start-up-Unternehmen, die einen Business Angel an der Seite haben, hätten größere Erfolgschancen, sagt Hansmann: „Ein Business Angel liefert nicht nur Geld, er hilft dem Unternehmen auch mit seiner Erfahrung und seinem Netzwerk weiter.“

Laut einer Studie des Kreditschutzverbandes KSV von 1870 wurden im vergangenen Jahr 51 Prozent der Insolvenzen von Managementfehlern verursacht. „Business Angels helfen, diese Managementfehler zu vermeiden“, wünscht sich KSV-Geschäftsführer Roland Führer, „dass mehr Unternehmen einen Business Angel an der Seite hätten.“

Obwohl immer mehr heimische Start-ups hierzulande auch Investoren finden würden, sei Österreich kein guter Boden für Start-ups, sagt Günter Höfert, Chef des Tiroler E-Zigarettenproduzenten Von Erl. „Der Start-up-Szene in Österreich fehlen die Investoren, die drei bis fünf Millionen Euro geben.“ Deshalb würden aussichtsreiche Jungunternehmer häufig im Ausland nach Geldgebern Ausschau halten. Ein „neues Google“ werde deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aus Österreich kommen, waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. (ecke)