Letztes Update am Sa, 29.10.2016 07:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland

Tiroler Delegation rührt in Russland die Werbetrommel

Den Sanktionen der Europäischen Union zum Trotz ist Tirols Wirtschaft und Politik um gute Beziehungen zu den Partnern in Russland bemüht.

Die Tiroler Delegation (r.) beim Gespräch mit dem russischen Vizepremier Dmitri Nikolajewitsch Kosak im "Weißen Haus" in Moskau.

© Oleg BorisowDie Tiroler Delegation (r.) beim Gespräch mit dem russischen Vizepremier Dmitri Nikolajewitsch Kosak im "Weißen Haus" in Moskau.



Von Mario Zenhäusern

Moskau – Schaden von Tirol abzuhalten, der durch die EU-Sanktionen gegenüber Russland entsteht (und bereits entstanden ist) – das ist das erklärte Ziel der Reise einer 80-köpfigen Tiroler Delegation nach St. Petersburg und Moskau. Angeführt von Landeshauptmann Günther Platter und Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer sowie organisiert von der österreichischen Botschaft bzw. dem Team von Feratel, rührten die Touristiker und Wirtschaftstreibenden an Newa und Moskwa die Werbetrommel für Tirol. „Tirol wird das Problem der Sanktionen nicht lösen können“, erklärt LH Platter im Gespräch mit der TT, „aber wir haben schon alte Bekanntschaften und Freundschaften mit Russland und möchten die Geschäftsbeziehungen mit den Menschen hier fortsetzen.“

Das sei umso notwendiger, ergänzt Jürgen Bodenseer, als derzeit zwei Drittel der früheren russischen Tirol-Gäste ausblieben. Aber der Kammerpräsident vertraut auf die Kraft der Wirtschaft: „Wir wollen die alten, guten Beziehungen wieder auffrischen und Tirol eine Sonderstellung einräumen gegenüber der Rest-EU. Wir als Tiroler genießen in Russland gegenüber anderen einen sehr großen Vertrauens- und Bonitätsvorschuss. Außerdem ist Wirtschaft völkerverbindend!“

Platter und Bodenseer führten am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit dem österreichischen Botschafter in Moskau, Emil Brix, und Honorarkonsul Hans Unterdorfer eine Delegation an, die im „Weißen Haus“, dem Regierungsgebäude der Russischen Föderation, auf den russischen Vizepremierminister Dmitri Nikolajewitsch Kosak traf. Der ist nicht nur sehr „Tirol-minded“, wie Bodenseer meinte, sondern war auch schon Skifahren in Tirol. Platter überreichte ihm einen Kooperationsvorschlag. „Darin geht es einerseits darum, die Zusammenarbeit im Bereich Tourismus, beim Studentenaustausch, den Tourismusschulen bis hin zur Skilehrerausbildung zu intensivieren“, berichtete er am Abend bei einem Empfang zum österreichischen Nationalfeiertag im Hotel Baltschug Kempinski, „und andererseits um die Intensivierung der guten Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich.“

Botschafter Emil Brix, LH Günther Platter und WK-Präsident Jürgen Bodenseer (v. l.) beim Empfang anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags. Die "Vier-Klee-Musig" aus der Wildschönau sorgte für den guten Klang.
Botschafter Emil Brix, LH Günther Platter und WK-Präsident Jürgen Bodenseer (v. l.) beim Empfang anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags. Die "Vier-Klee-Musig" aus der Wildschönau sorgte für den guten Klang.
- Zenhäusern

Auch über die mögliche Bewerbung Tirols um Olympische Winterspiele haben Platter, Bodenseer und Co. mit Kosak gesprochen. „Auf Augenhöhe“, wie Platter unbescheiden erklärte. Er habe gespürt, dass „seitens Russlands ein großes Verständnis für die Überlegungen Tirols vorhanden ist“. In diesem Zusammenhang sprach Platter eine Einladung zur Interalpin 2017 aus, die Kosak anzunehmen versprach.

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Am Freitag traf die vom Landeshauptmann angeführte Tiroler Delegation dann auch noch auf Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Platter informierte ihn über die Gespräche mit Vizepremier Kosak und bekräftigte den Wunsch des Landes Tirol, dass die wirtschaftlichen Beziehungen trotz der bestehenden Sanktionen aufrecht bleiben bzw. intensiviert werden sollen. „Ich werde ihn über bereits bestehende Geschäftsverbindungen informieren und versuchen, ihn für weitere Anbahnungen zu informieren. Die Partner auf unserer Seite sind ja bei dieser Reise mit dabei.“

Aufgrund der politischen Gespräche und der Zusage für eine Follow-up-Veranstaltung im Frühjahr

Frühsommer 2017 in Tirol stimmen Platter jedenfalls optimistisch: „Ich erwarte mir bessere Geschäftsbeziehungen zwischen Russland und Tirol. Die Teilnehmerzahl an dieser Reise war auch für die Russen sehr beeindruckend. Sie haben gespürt, dass wir es ernst meinen.“