Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.12.2016


Tirol

105.000 Ausländer ohne Job, Tirol bleibt Musterschüler

Erstmals seit fünf Jahren gibt es in Österreich etwas weniger Arbeitslose.

Knapp 31 Prozent der Jobsuchenden, die im Vorjahr die Rückkehr in den Arbeitsmarkt geschafft haben, waren 45 Jahre oder älter.

© TT/Thomas BöhmKnapp 31 Prozent der Jobsuchenden, die im Vorjahr die Rückkehr in den Arbeitsmarkt geschafft haben, waren 45 Jahre oder älter.



Wien, Innsbruck – Mit Stichtag Ende November waren österreichweit 429.139 Personen entweder arbeitslos vorgemerkt oder in Schulung, um 938 Personen oder 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Weiter steigend ist die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten, nämlich um 1,6 Prozent auf 3,515 Millionen. Die Arbeitslosenquote nach österreichischer Berechnung sank von 9,2 auf 9 Prozent.

Bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) ging die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen – die Schulungsteilnehmer sind hier nicht gesondert ausgewiesen – um 8,9 Prozent auf 42.211 zurück. Deutlich angestiegen ist hingegen die Arbeitslosigkeit Älterer (ab 50 Jahren), nämlich um 5,9 Prozent auf 103.012 Personen. Bei Inländern sank die Arbeitslosigkeit um 2,3 Prozent auf 250.387 inländische Arbeitslose. Bei Ausländern stieg sie um 2,3 Prozent auf 105.282 Personen an. Seit Jahresbeginn haben 554.500 Arbeitslose wieder einen Job gefunden.

Nach Bundesländern hatten sieben von neun Bundesländern einen Arbeitslosen-Rückgang, nur in Wien und Niederösterreich wurden die Zahlen schlechter. Tirol, das schon seit Längerem regelmäßig sinkende Arbeitslosenzahlen verzeichnet, meldet für November erneut die bundesweit beste Entwicklung: Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen sank um 7 Prozent auf 27.703 Betroffene. Dazu kamen 2894 Teilnehmer von Schulungen, was in Summe 30.597 Arbeitslose bedeutet. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich binnen Jahresfrist um 6000 auf 314.000.

„Der Tiroler Arbeitsmarkt entwickelt sich auch im November 2016 weiter positiv, in allen Bezirken und in allen Branchen“, sagt Tirols AMS-Chef Anton Kern. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei unvermindert hoch. „Sogar die Langzeitarbeitslosigkeit – zum zweiten Mal in Folge – ist rückläufig.“

Für Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) ist die leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ein „Lichtblick“, aber noch keine Trendwende. AMS-Chef Johannes Kopf meint ebenfalls: „Jubel ist absolut unangebracht.“ Bei einer differenzierten Betrachtung gebe es auch Bereiche mit steigender Arbeitslosigkeit: So seien heuer 7500 geflüchtete Personen zusätzlich auf Arbeitssuche.

Scharfe Kritik kommt von der FPÖ: Stöger sei der „absolute Minus-Mann“ im Kabinett Kern und habe eine „echte Horrorbilanz“ aufzuweisen, kommentierte FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl. Die NEOS glauben nicht, dass sich die momentan besseren Zahlen 2017 fortsetzen würden. Die AK fordert ein Arbeitsmarktpaket mit öffentlichen Investitionen, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Der ÖGB setzt auf Arbeitszeitverkürzung im Kampf gegen Arbeitslosigkeit.