Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 15.02.2017


Reutte

Deutsche Bahn entschuldigt sich bei Fahrgästen im Außerfern

Kalter Winter hat laut DB Verspätungen verursacht. FPÖ will Verbindung Reutte – Innsbruck in Landtag bringen.

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© FOTOPRESS THOMAS SEHR



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Garmisch, Innsbruck – Eltern hatten sich über die Odyssee ihrer Tochter mit der Außerfernbahn beschwert. Dauernde stundenlange Verspätungen, Stress, Notfallfahrten des Vaters mit dem Pkw von Reutte in die Landeshauptstadt und versäumte Termine mussten in Kauf genommen werden, weil die Anschlüsse am Bahnhof Garmisch-Partenkirchen Richtung Innsbruck nicht erreicht werden konnten. Züge zur Weiterfahrt standen am frühen Morgen entweder gar nicht zur Verfügung oder waren schon abgefahren, wenn die Außerfernbahn leichte Verspätung hatte (die TT berichtete). Kein Einzelfall, wie unzählige Reaktionen auf die Veröffentlichung zeigten und die Deutsche Bahn nun auch offiziell einräumt.

Dazu ein Sprecher der Deutschen Bahn in München: „In der Tat kam es in den letzten Wochen häufiger zu Anschlussverlusten beim Übergang von Reisenden von der Außerfernbahn auf die Züge von Garmisch in Richtung Innsbruck. Dafür bitten wir die Fahrgäste um Entschuldigung.“ Und weiter: „Auf der Außerfernbahn waren die Züge überdurchschnittlich häufig unpünktlich. Hauptursache waren die winterlichen Wetterverhältnisse der letzten Wochen, die sowohl an den Fahrzeugen als auch am Schienennetz häufiger zu Störungen und damit zu Verspätungen führten.“ Mit den höheren Temperaturen hofft die DB Regio wieder auf eine bessere Pünktlichkeit. Ferner würde auch daran gearbeitet, durch eine bessere Kommunikation aller Beteiligten im Knoten Garmisch die „von Ihren Lesern genannten knappen Anschlussverluste zu minimieren“.

Die planmäßigen Umsteigzeiten in Garmisch betragen zwischen fünf und neun Minuten. Der Bahnsprecher bittet um Verständnis dafür, dass bei längeren Verspätungen der Züge auf der Außerfernbahn die Züge Richtung Innsbruck nicht mehrere Minuten lang warten können. „Weil rund um Garmisch die Bahnstrecken nur eingleisig sind, ist von den Verspätungen sonst auch der Gegenverkehr betroffen und wir würden durch einen Domino­effekt Verspätungen in andere Knotenbahnhöfe hineintragen.“

Der Fall der dauergebremsten Außerferner Schülerin, die ein Gymnasium mit Musikschwerpunkt in Innsbruck besucht, hat jedenfalls für einiges Aufsehen gesorgt. Nun schaltet sich auch die Politik in die Diskussion ein. „Mir ist dieses leidige Thema von früher bekannt, als ich selbst noch kein Auto hatte. Besonders die Grundwehrdienstzeit ist mir dabei in Erinnerung geblieben. Da die Zugfahrt über Deutschland verlief, mussten wir uns immer noch schnell im Zug umziehen, da im Ausland die Uniform vom Bundesheer nicht getragen werden darf. Den Anschlusszug in Garmisch haben wir aber ohnehin regelmäßig verpasst, da hat sich nichts geändert“, erinnert sich der Außerferner FP-Bezirksobmann Fabian Walch.

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Für viele sei es unverständlich, wie ein Bezirkshauptort keine direkte Bahnverbindung zur Landeshauptstadt haben könne. „Nun ist es nichts Neues, dass der Bezirk Reutte für die schwarz-grüne Regierung faktisch nicht existent ist“, poltert Walch, „aber wenn man schon am Fernpass propagiert, dass man doch die Bahn nehmen soll, erwarte ich mir schon, dass diese ‚Alternative‘ zumindest attraktiv ist“, kritisiert er. Das Außerfern sei sowieso auf allen Ebenen der Infrastruktur benachteiligt.

„Die katastrophale Anbindung und regelmäßige Staubildungen sind das Übel vieler Probleme, die wir im Bezirk haben. Würde man das Verkehrs- und Infrastrukturproblem endlich richtig und nachhaltig lösen, würden sich auch viele andere Problemfelder in Reutte, wie etwa die Jugendabwanderung, vermindern“, ist sich Walch sicher. Der Lechtaler bringt große Tunnellösungen ins Spiel und möchte auch eine direkte Bahnverbindung von Reutte ins Inntal im Zuge des Tunnelbaus diskutieren. Inzwischen jedoch kündigt die FPÖ eine Initiative zur Bahnverbindung Reutte – Innsbruck im Tiroler Landtag an.