Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.03.2017


Exklusiv

Skikarten im Visier: „Gesetzlich tolerierte Kartellstrukturen“

Bereits 2014 empfahlen Wirtschaftsforscher, Ticketverbünde zu prüfen: Tageskarten seien bis zu 18 Prozent überteuert. Seilbahner nehmen Prüfung gelassen.

© APA/BARBARA GINDL



Von Max Strozzi

Innsbruck – Skikartenpreise sind ins Visier der Kartelljäger geraten. Besonders Kartenverbünde zu großen Skischaukeln haben das Interesse der Wettbewerbshüter geweckt. Wie berichtet, hat die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) via TT angedacht, die Preisgestaltung in großen Skigebieten zu prüfen. Nun ist es fix: Die Kartenpreise werden geprüft, mit den Konsumentenschützern des VKI sei bereits eine Kooperation vereinbart, wie gestern BWB-Chef Theodor Thanner berichtete. Die Argumentation der Seilbahner zu den Preisschüben sei „teilweise schräg“, meint Thanner.

Eine Überprüfung der Skikartenverbünde scheint längst überfällig. Bereits 2014 waren das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo und die Wirtschaftsuni Wien in einer gemeinsamen Studie dem Preisschub bei Skikarten auf den Grund gegangen und hatten eine „umfassende Branchenuntersuchung durch die Bundeswettbewerbsbehörde“ empfohlen. „Man sollte die Situation analysieren, weil die Skikartenverbünde immer größer werden“, erneuert Co-Autor Matthias Firgo vom ­Wifo seine Empfehlung.

Ein Fazit der Studie 2014: Weil es an Wettbewerb fehlt, sind Tageskarten in Verbund­skigebieten um bis zu 18 % teurer, als es in gleichwertigen unabhängigen Skigebieten der Fall wäre. Das überrascht insofern, als es seit dem Zusammenschluss zur Skischaukel Ski amadé im Jahr 2004 – er gilt als Präzedenzfall für weitere Kartenfusionen – gerade bei Tagestickets einen solchen eklatanten Unterschied nicht geben sollte. „Bis zu diesem Zusammenschluss war der Tageskartenpreis zentral gesteuert. Bei der Fusion wurde die Tageskarte aber ausgeklammert in der Hoffnung auf Wettbewerb“, schildert Firgo: „Wie aber soll Wettbewerb entstehen, wenn dieselben Skigebiete auf anderen Ebenen kooperieren?“, kritisiert er.

Nicht nur bei Tagestickets sei der Konkurrenzkampf der Studie zufolge stark eingeschränkt. Auch bei Mehrtagespässen werde der Wettbewerb durch Skikartenverbünde verwässert, hieß es in der Studie. „Dabei könnte man vermuten, dass die Größenvorteile von Kartenverbünden preisdämpfend wirken, das ist aber nicht der Fall. Hier greifen andere Mechanismen“, analysiert der Wifo-Experte. Dass die Zahl der Verbünde seither weiter gestiegen ist, lasse vermuten, dass der Wettbewerb nicht gerade stärker wurde, so Firgo.

Er will Kartenverbünde aber nicht verteufeln. Volkswirtschaftlich können sie vorteilhaft sein, etwa weil Skischaukeln dadurch stärker auftreten können und für internationales Publikum attraktiver seien. „Es muss aber klar sein, dass es gesetzlich tolerierte Kartellstrukturen sind“, so Firgo. Er rät zu einer Kosten-Nutzen-Analyse: „Ob man Verbünde zerschlagen muss, lässt sich nicht so leicht beantworten. Man muss erst die volkswirtschaftlichen Auswirkungen prüfen. Was nützt ein Verbund der Volkswirtschaft und wie schadet er durch den Wegfall von Wettbewerb?“

Tirols Seilbahnensprecher Franz Hörl sieht einer Prüfung durch Kartelljäger gelassen entgegen. „Umgerechnet auf den Umsatz hat jede Gesellschaft innerhalb eines Verbunds eine ähnliche Kostenstruktur. Daraus resultieren ähnliche Preise“, erklärt der Zillertaler. Zwischen 20 % und 30 % aller verkauften Skikarten seien Tagestickets, daneben gebe es aber auch 20 bis 25 andere Tarifmodelle. Hörl: „Der Vorwurf von Preisabsprachen hält nicht.“