Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.03.2017


Exklusiv

Osttiroler Tourismusverband versucht Kritiker auszubooten

Für Obmann Franz Theurl hat der Tourismusverband Osttirol eine solide finanzielle Basis. Hermann Kuenz und Josef Schett kritisieren TVB-Spitze.

© Oblasser



Lienz – Die Verantwortlichen im TVB Osttirol haben es offenbar eilig: Bereits morgen findet die nächste Vorstands- und Aufsichtsratssitzung statt. Dabei soll über die äußerst angespannte interne Situation gesprochen und der Jahresabschluss für 2016 präsentiert werden. Sehr zum Missfallen der beiden Abgeordneten Hermann Kuenz (VP) und Josef Schett (Impuls). Wegen der Landtagssitzung können nämlich weder der stellvertretende Aufsichtsratschef Kuenz noch Vorstand Schett daran teilnehmen. Zufällig gehören sie der Opposition im TVB an und zählen zu den heftigsten Kritikern der jüngst beschlossenen Erhöhung der Aufenthaltsabgabe auf 2,5 Euro. Damit sollen u. a. Investitionen der Schultz-Gruppe in Wintersportinfrastruktur mit 4,2 Mio. Euro unterstützt werden.

Er sei nicht grundsätzlich gegen Investitionsbeiträge, absolute Priorität habe aber die finanzielle Konsolidierung des Verbands, sagt Kuenz. „Er hat sich auf seine Kernaufgaben zu konzentrieren wie Angebotsentwicklung, Marketing, klassische Werbung oder Unterstützung von Angebotsgruppen.“ Erst wenn diese ausreichend dotiert seien und die öffentliche Infrastruktur gut betreut werde, könne man über Investitionsbeiträge an Unternehmen nachdenken.

Ähnlich argumentiert Schett: „Im Auftrag des Landes wurde eine Infrastrukturanalyse für die touristische Ausrichtung in Osttirol erstellt.“ Trotzdem werde alles unternommen, um weiter die Schultz-Projekte „jenseits jeder Logik und konträr zu den Ergebnissen der Strukturanalysen“ mit Geld, das man nicht habe, zu unterstützen.

Der zuletzt in die Kritik geratene TVB-Obmann Franz Theurl sieht seinen Verband keinesfalls am finanziellen Abgrund. Im Gegenteil: „Wir werden 2016 positiv und mit einem Überschuss abschließen, die Investition in die neue TVB-Zentrale von 500.000 konnte aus dem laufenden Überschuss bestritten werden.“ Theurl weist darauf hin, dass der Verband die Schulden von 16 auf acht Millionen Euro reduzieren konnte und für das Vorjahr ein positives Eigenkapital ausweisen werde. „Durch die Erhöhung der Aufenthaltsabgabe um 50 Cent werden jährlich zusätzliche 750.000 Euro in den TVB-Haushalt eingebracht.“ Dadurch können laut Theurl nicht nur die sich aus den Zukunftsinvestitionen ergebenden Darlehensverpflichtungen bedient, sondern jährlich weitere 350.000 Euro für Marketing, Sommerinfrastruktur und Rücklagenbildung eingesetzt werden.

So weit, so gut. Deutlich kritischer beurteilt der Leiter der Tourismusabteilung in der Landesregierung, Gerhard Föger, die budgetäre Situation des zu 85 Prozent verschuldeten TVB. „Sollte die Vollversammlung die Anhebung der Nächtigungsabgabe beschließen, schauen wir uns ganz genau an, ob wir das auch genehmigen.“ In erster Linie müssten die Schulden reduziert und verstärkt in Marketing investiert werden. „Die öffentliche Hand ist außerdem kein Betreiber von Skigebieten.“

Letztlich erinnert Föger daran, dass der TVB Osttirol seit der Fusion 2008 aus verschiedenen Landestöpfen rund acht Mio. Euro erhalten habe. Dieses Geld sei in Projekte und nicht in den Verband geflossen, kontert Theurl. (pn)




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