Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.04.2017


Außerfern

Reutte und Holzgau wagen sich als Erste ins e5-Programm

Seit 17 Jahren läuft das Aktionsprogramm zur Energieeffizienzsteigerung in den Tiroler Gemeinden. Erstmals treten jetzt auch Außerferner bei.

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© Tschol



Von Simone Tschol

Reutte – Im Trauungs­zimmer der Marktgemeinde Reutte stellte die Energie Tirol die beiden Neuzugänge in der e5-Familie vor. „Wir sind nicht umsonst hier. Erstmals trauen sich zwei Außerferner Gemeinden, da mitzumachen“, meinte LHStv. Josef Geisler, Energielandesrat und Obmann der Energie Tirol, scherzhaft. Er spielte damit auf die beiden Gemeinden Reutte und Holzgau an, die nun als erste im Bezirk Reutte dem e5-Aktionsprogramm beigetreten sind.

Dieses zielt darauf ab, Kommunen zu motivieren und zu unterstützen, Energieprozesse zu modernisieren, die Energie effizienter und intelligenter zu nutzen und klimaschonende und erneuerbare Energieträger einzusetzen. Geisler: „Wir haben in Tirol das klare Ziel, von den fossilen Energieträgern wegzukommen. Aber wir können vieles verordnen. Wenn die Gemeinden nicht mitziehen, bringt das alles nichts.“

Sowohl Reutte als auch Holzgau haben bereits Projekte umgesetzt. Der Holzgauer Bürgermeister konkretisiert: „Wir haben uns schon länger Gedanken gemacht, wie man Energie einsparen kann. Unser Bildungszentrum mit Photovoltaikanlage, LED-Beleuchtung, Erdwärmepumpe und den Baumaterialien Holz, Lehm und Schafwolle ist hier sicher beispielgebend.“ Gerade bei öffentlichen Projekten, wie der anstehenden Gemeindehaus- und Arzthaussanierung, sei Energieeffizienz ein großes Thema. Der ehemalige Skirennläufer Pepi Strobl ist Pate des Holzgauer Projekts. Blaas: „Er wird gemeinsam mit uns die Aktion bewerben.“

Auch Reutte hat in Sachen Energieeffizienz einige Pläne. „Wir möchten beispielsweise am Seniorenzentrum das solare Potenzial nutzen und werden dieses mit einer Photovoltaikanlage ausstatten. Zudem ist geplant, die gesamte Straßenbeleuchtung in den nächsten fünf Jahren auf LED-Technologie umzurüsten“, beschreibt Vizebürgermeister Michael Steskal die ersten Überlegungen. Auch ein Bonussystem für private Maßnahmen könnte geschaffen werden, um die Bevölkerung mit ins Boot zu holen.

Die Umsetzung – sowohl im privaten als auch öffentlichen Bereich – wird schlussendlich bewertet. Alle drei Jahre durchlaufen die Kommunen ein Überprüfungsverfahren. Die höchste zu erreichende Punktezahl ist dabei „5 e“ – ähnlich den Hauben bei den Köchen. Unter den bisher 40 Gemeinden im e5-Programm ist diese aber erst zweimal – an Virgen und Wörgl – vergeben worden.

Ob Nummer 41 und 42 im e5-Bund, also Reutte und Holzgau, für andere Gemeinden im Bezirk Reutte eine Vorbildwirkung haben, wird sich zeigen. Laut Oberhuber hätten bislang keine weiteren Gemeinden aus dem Außerfern ihr Interesse bekundet.