Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.04.2017


Exklusiv

Milchmenge steigt wieder, Kritik an großen Molkereien

Im März endete die Lieferverzichtsprämie für Milchbauern. Milchmenge bei Berglandmilch lag Mitte April nur noch 0,46 Prozent unter Vorjahresniveau.

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© APA (dpa)



Innsbruck – Der europäische Milchmarkt geriet im Vorjahr arg ins Trudeln, die Erzeugerpreise für die Bauern rasselten in den Keller. Mitverantwortlich dafür waren die massive Überproduktion und der Milchsee in Europa. Die Europäische Kommission schnürte deshalb ein Hilfspaket. Um die Anlieferung zu drosseln und die Preise zu stabilisieren, wurde den Milchbauern eine Lieferverzichtsprämie angeboten. Insgesamt 150 Millionen Euro stellte die EU bereit, für jedes nicht mehr angelieferte Kilogramm Milch erhielten sie 14 Cent. Die österreichische Bundesregierung hat diese Summe auf 28 Cent verdoppelt und dafür zusätzliche 5,68 Millionen Euro budgetiert.

Die Maßnahme wirkte: Mittlerweile erholten sich die Preise, 32,5 Cent pro Liter Milch werden derzeit an die Bauern ausgezahlt. Auch die Milchmenge ging im letzten Quartal 2016 zurück. Trotzdem: Im Vorjahr wurde insgesamt um 3,2 Prozent mehr Milch produziert, insgesamt 3,2 Millionen Tonnen. Im heurigen Februar betrug der Rückgang zwei Prozent, im März endete aber die so genannte Anpassungshilfe. Und jetzt beginnt wieder eine interessante Entwicklung am heimischen Milchmarkt.

Denn bis Mitte April ist die Mengenreduktion im heurigen Jahr fast wieder verpufft – zumindest bei der größten heimischen Molkerei, der oberösterreichischen Berglandmilch. Zu ihren 12.000 Milchlieferanten gehören seit 2011 auch die 3000 Tirol-Milch-Bauern. Die Berglandmilch verarbeitet jährlich 1,2 Millionen Kilogramm Milch. Im Vergleich zu 2016 ist die an die Berglandmilch gelieferte Menge lediglich um 0,46 Prozent niedriger. Die Tiroler Lieferanten haben ihre Mengen hingegen überdurchschnittlich stark reduziert, 2017 wurden bisher 5,31 Prozent weniger geliefert. Mit dem Anziehen der Preise und dem Auslaufen der Lieferverzichtsprämie wird in den Gunstlagen also wieder mehr produziert.

Haben die Molkereien und die großen Milchbauern nichts aus der Krise gelernt? „Die Nachfrage steigt, aber insgesamt sollte sich doch die Vernunft durchsetzen, dass die Milchmenge nicht wieder massiv erhöht werden soll“, sagt Tirols Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (VP). Schließlich gebe es beim Milchpreis immer ein Auf und Ab, als Vorbild bezeichnet er die Tiroler Milchbauern.

Harsche Kritik übt Geisler an der österreichischen Milchwirtschaft. „Sie muss sich einfach besser aufstellen, doch die Kooperation scheitert an den beiden größten Milchverarbeitern – der Berglandmilch und der niederösterreichischen NÖM.“ Weil beide nicht miteinander könnten.

Angesichts des nach wie vor bescheidenen Milchgelds kann sich Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger nicht vorstellen, dass die Bauern im großen Ausmaß überliefern werden. „In Tirol zeigen die Maßnahmen zur Lieferrücknahme noch immer Wirkung“, ist Hechenberger weiter optimistisch. (pn)