Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.05.2017


Lebensmittelproduzenten

Tirols Bäcker stemmen sich gegen Handelsriesen

Lehrlingsmangel und Backshops setzen Tirols Bäcker weiter unter Druck. Indes startet eine Kooperation mit Italien.

Peter Zangerl (r.) und sein Bäcker-Kollege Daniele Raveane backen für die neue Kooperation entlang der Via Claudia Augusta.

© WerlbergerPeter Zangerl (r.) und sein Bäcker-Kollege Daniele Raveane backen für die neue Kooperation entlang der Via Claudia Augusta.



Innsbruck – Die Tiroler Bäcker haben in den vergangenen Jahren kräftig Federn lassen müssen. Die Konkurrenz durch Handelsketten und Diskonter setzte die Branche ebenso unter Druck wie der Lehrlingsmangel. Wobei Letzterer in den Augen von Peter Zangerl, Vorsitzender der Berufsgruppe der Bäcker in der Wirtschaftskammer Tirol (WK), sogar das größere Problem darstellt. „Wir sind schon weniger geworden, aber nicht wegen der Konkurrenz, sondern weil der Bäckernachwuchs zurückgegangen ist“, sagte der Oberländer Bäcker am Mittwoch am Wifi in Innsbruck. Dort wurde eine neue Kooperation mit italienischen Bäckern vorgestellt, bei der entlang der historischen Via Claudia Augusta traditionelles Brot aus Tirol und Italie­n vertrieben werden soll.

133 Bäckerbetriebe mit im Schnitt zehn Mitarbeitern gebe es derzeit noch in Tirol, Ende der 80er-Jahre waren es noch 200 Unternehmen, sagte Zangerl der TT. Die Zahl der Lehrlinge hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar halbiert. Aktuell büffeln rund 60 bis 65 Bäckerlehrlinge in der Berufsschule, zu Spitzenzeiten waren es 120. Zangerl rechnet aber damit, dass die Talsohle erreicht sei und die Lehrlingszahlen wieder steigen werden.

Die aggressive Konkurrenz durch Backshops von Diskontern, Handelsriesen und Tankstellen wollte Zangerl nicht kommentieren. Man konzentriere sich lieber auf sich und setze auf traditionelle Getreide­sorten und neue Ideen, meinte er. Wie groß der Druck sein muss, zeigt aber folgender Fakt, auf den der Bäckersprecher verwies: „Es wird von draußen mehr Menge nach Tirol geliefert als die Tiroler Bäcker produzieren.“ Alfons Wachter, Innungsmeister des Lebensmittelgewerbes in der WK Tirol, schätzte, dass in Tirol eine Brot-Verkaufsstelle auf nur 1000 Einwohner kommt. „Das ist viel zu wenig, das kann sich nicht ausgehen“, betonte Wachter.

Die neue Zusammenarbeit entlang der Via Claudia Augusta, einer etwa 2000 Jahre alten Römerstraße über die Alpen, startet zunächst mit zwei Brotsorten – dem „Tiroggl“ aus dem Oberland und dem „Römerbrot“ aus dem Veneto. Die Brote sollen bei Bäckern entlang der Route (in Tirol vorerst im Oberland), aber auch in Hotellerie und Gastronomie vertrieben werden. Hier machen laut Tirol Werbung etwa 80 Partnerbetriebe mit. Auch der „Bauernkiste“ werden die neuen Brotsorten beigelegt. Weitere Produkte sind in Planung. (wer)