Letztes Update am Mi, 07.06.2017 07:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Naturschützer warnen

Osttiroler Kraftwerk Tauernbach soll Ölleitung TAL gefährden

Der Verein Erholungslandschaft Osttirol ortet durch ein Projekt Gefahren für die Transalpine Ölleitung. Die Tiwag weist das zurück.

Das Matreier Tauerntal mit Felbertauernstraße, Stromleitung und der Pumpstation Gruben der Transalpinen Ölleitung, die Seveso-3-Gebiet ist. Hier soll das neue Kraftwerk entstehen.

© Wolfgang RetterDas Matreier Tauerntal mit Felbertauernstraße, Stromleitung und der Pumpstation Gruben der Transalpinen Ölleitung, die Seveso-3-Gebiet ist. Hier soll das neue Kraftwerk entstehen.



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Laut Naturschützern wird es im Tauerntal eng: zu eng, so die Meinung des Vereins Erholungslandschaft Osttirol. Denn schon jetzt laufen wichtige Versorgungsstränge für und aus Osttirol hier durch: angefangen von der Felbertauernstraße über die 380-kV-Stromleitung und die Telekom-Hauptleitung bis zur Transalpinen Ölleitung (TAL), die Süddeutschland zur Gänze und andere Länder zum Teil mit Erdöl versorgt. Deshalb ist es für Vereinsobmann Wolfgang Retter und die Vorstandsmitglieder Anna Maria Kerber und Josef Unterweger ein Unding, hier noch zusätzlich ein Kraftwerk „hineinzuquetschen“. Der gleichen Meinung ist Anrainerin Anna Steiner.

Genau das ist aber geplant. Die Tiwag hat, nachdem ein Pumpspeicherwerk im Tauerntal an Bevölkerungsprotesten gescheitert ist, im Jahr 2013 ein kleineres Laufkraftwerk eingereicht. Wobei es die Bezeichnung „klein“ nicht ganz trifft. Das Regelarbeitsvermögen beträgt 85 Gigawattstunden, Druck­stollen und Rohrleitungen erstrecken sich über insgesamt 8,5 Kilometer. Weiterer Aspekt: Das Krafthaus ist direkt unter der TAL-Pumpstation Gruben vorgesehen. Diese ist Seveso-3-Gebiet. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist vorgeschrieben, die Verhandlung soll im Herbst stattfinden.

Die Kritik der Naturschützer ist vielfältig: Das Kraftwerk Tauernbach-Gruben sei nicht nur unwirtschaftlich angesichts des Strompreises, sondern schädige die Grundeigentümer sowie Tourismus und Erholungswert im Tauerntal, so Retter, Steiner und Kerber.

„Wir fürchten aber besonders, dass durch die Bauarbeiten die TAL beschädigt werden könnte“, meint Unterweger. „Diese transportiert pro Jahr über 41 Millionen Tonnen Rohöl nach Norden.“ Laut Unterweger würden die Grabungen für das Kraftwerk bis einen Meter an die Leitung heranführen. „Wenn da etwas danebengeht, kann sich jeder die Folgen ausmalen.“ Die Vereinsmitglieder gehen sogar so weit, die Versorgung Süddeutschlands mit Rohöl gefährdet zu sehen.

Das Tauerntal wird auch immer wieder von Muren und Hangrutschungen heimgesucht, weiß Bäuerin Anna Steiner, einer von rund 60 Grundbesitzern im Tauerntal. Die Erinnerung an die Verschüttung und monatelange Sperre der Felbertauernstraße ist noch allgegenwärtig.

Die Tiwag kennt die Bedenken. „Bis zum Fristende am 8. Mai sind über zehn Einwendungen an die Behörde gegangen“, sagt Tiwag-Vorstand Johann Herdina. Eine Gefährdung der TAL durch den Kraftwerksbau kann er aber nicht nachvollziehen. „Die TAL wird zwischen Triest und Ingolstadt zigmal gekreuzt. Warum sollte das im Tauerntal ein Problem sein?“ Die Behörde habe nun die Aufgabe, alle Einwendungen zu prüfen. Den Termin für die mündliche UVP-Verhandlung setzt Herdina zwischen Herbst 2017 und Frühjahr 2018 an, den Baubeginn frühestens 2021. „Zu diesem Zeitpunkt werden wir die Wirtschaftlichkeit des Werks auf Basis des Strommarktes noch einmal prüfen“, sagt Herdina.