Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.06.2017


Imst, Landeck

Wohnen im Oberland wird immer teurer

Der Quadratmeterpreis für Neubauwohnungen stieg um rund fünf Prozent pro Jahr. Die Sparkasse erwartet eine stabile Entwicklung.

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© Reichle



Von Matthias Reichle

Imst, Landeck – „Zuletzt hat es verschiedene Meldungen gegeben, der Immobilienmarkt sei überhitzt und es komme eine Blase, wie 2008 in den USA“, betont Sparkassen-Vorstand Martin Haßlwanter. Unter anderem warnte auch der Europäischen Ausschuss für Systemrisiken vor einer derartigen Entwicklung in Österreich. Die Sparkasse Imst habe das zum Anlass genommen, das Risiko im Tiroler Oberland unter die Lupe zu nehmen.

Auch in den Bezirken Imst und Landeck haben die Preise in den letzten Jahren stark angezogen. 2013 kostete der durchschnittliche Quadratmeter Neubauwohnung im Bezirk Imst 2325 Euro, im Bezirk Landeck 2225 Euro. 2016 waren es 2848 Euro bzw. 2651 Euro. Das entspricht einer Preissteigerung von 22 bzw. 19 Prozent. Zwischen 2010 und 2016 sei die Schere zwischen Einkommen und Immo-Preisen um 27 Prozent auseinandergegangen, führte Haßlwanter aus.

Gleichzeitig besteht ein starkes West-Ost-Gefälle. Tirol ist ein teures Pflaster. Eine gebrauchte Wohnung in Tirol ist doppelt so teuer wie etwa in Kärnten oder der Steiermark. Neu-Mieten seien hier seit 2010 um 21 Prozent angezogen. Das Transaktionsvolumenbei Wohnungen, Häusern und Grundstücken in den Oberländer Bezirken hat in den letzten drei Jahren zugenommen, erläutert der Leiter der Abteilung wohn2 Andreas Huter. 2014 waren es im Bezirk Imst 77, im Bezirk Landeck 84 Mio. Euro, 2016 95 bzw. 88 Mio. Euro. In Innsbruck sei diese Entwicklung nicht so stark. „Weil keine Objekte mehr vorhanden sind.“ Der Preisanstieg sei im Oberland noch nicht so spürbar wie in anderen Regionen, betont Huter. „Bei uns ist Wohnen noch leistbarer.“ Eine Immobilienblase für Österreich oder Tirol sieht Haßlwanter derzeit nicht. Der österreichische Wohnungsmarkt sei speziell. „Wir haben eine starke Nachfrage im privaten Wohnungsmarkt, der durch das Angebot nicht befriedigt werden kann.“ Das sei natürlichen Gründen geschuldet. Bodenknappheit ist dabei ein entscheidendes Thema. Auch das Bevölkerungswachstum sei ein Schlüsselfaktor, Einpersonenhaushalte würden künftig stark ansteigen. Wohnungskäufer seien im Oberland seltener Anleger als in Innsbruck.

Auch in der Sparkasse Imst spürt man derzeit aber einen Trend in Richtung Mehrgenerationenhaushalte. Die Jungen bauen ans Haus der Eltern an. Das habe finanzielle, soziale und ökologische Vorteile, so Haßlwanter, der zur Präsentation der Studie auf die Baustelle der Familie Walch nach Karres geladen hatte. Dort sollen bald schon drei Generationen – insgesamt sieben Personen – unter einem Dach leben, wie Bauherr Andreas Walch betont.

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Die Sparkasse Imst habe im vergangenen Jahr rund 400 Wohnbauten mit einem Finazierungvolumen von 54,3 Mio. Euro abgewickelt, rechnet Sparkassenvorstand Meinhard Reich vor. Er erwartet wie Haßlwanter eine „langfristig stabile“ Preisentwicklung Die Prognose gehen von einer um 2,7 Prozent steigenden Nachfrage, aber nur einem um 2,3 Prozent steigenden Angebot aus. Man erwarte einen Preisanstieg um 4 Prozent in Tirol.