Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.06.2017


TT-Ombudsmann

Wohnung mieten oder kaufen?

Irgendwann stellt sich die Frage, ob an Stelle monatlicher Mietzahlungen nicht besser in ein Eigenheim investiert werden soll. Zwei Experten klären auf, was dabei zu beachten ist.

Entspannter Blick ins Grüne. Vor dem Einzug in eine neue Bleibe sind jedoch viele Fragen zu klären, vor allem finanzielle.

© iStockEntspannter Blick ins Grüne. Vor dem Einzug in eine neue Bleibe sind jedoch viele Fragen zu klären, vor allem finanzielle.



Von Markus Schramek

Innsbruck — Wohnen ist ein teurer Spaß, in Tirol ganz besonders. Mieten und Immobilienpreise steigen beständig. 4800 Euro kostet in Innsbruck im Schnitt der Kauf einer neuen Wohnung — je Quadratmeter. Bei 100 m2 summiert sich das auf stolze 480.000 Euro.

Fast jeder gerät beim Blick auf seine Wohnausgaben ins Grübeln: Soll man weiter Miete zahlen und damit die Kosten allmonatlich überschaubar halten? Oder doch in Eigentum investieren, auch wenn man sich hierfür bei der Bank viel Geld ausleihen muss, mitsamt Zinsen und langer Laufzeit?

Eine heikle Frage. Wir haben dazu zwei Experten mit unterschiedlichen Aufgaben befragt: einen Konsumentenschützer und die Wohnbauexpertin einer Bank. Beide sind sich einig, dass die Entscheidung „Miete oder Kauf" sehr vom jeweiligen Interessenten abhängt. Ein Patentrezept gibt es leider nicht.

Erster Interviewpartner ist Bernd Lausecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien.

Was spricht für den Kauf einer Wohnung?

Lausecker: Zur Altersvorsorge ist der Wohnungskauf sinnvoll. Bei Pensionsantritt sollte das Eigenheim jedoch abgezahlt sein. Das geringere Einkommen im Ruhestand kann so abgefedert werden.

Ein Kauf im fortgeschrittenen Alter, beispielsweise um die 50, ist also zu spät?

Lausecker: Die Laufzeiten der Kredite betragen 20 bis 25 Jahre. Wer mit 50 eine Wohnung kauft, müsste den Kredit also abstottern, bis er 70 oder 75 ist. Das könnte problematisch werden.

Wann sollte man von einem Wohnungskauf generell die Finger lassen?

Lausecker: Man muss das eigene Ausgabeverhalten ehrlich analysieren. Wer es nicht schafft, Kapital anzusparen, sollte überlegen, ob ein Wohnungskauf das Richtige ist. Wer nicht ausschließen kann, in näherer Zukunft den Wohnort zu wechseln, sollte einen Kauf sehr gut überlegen. Die Wohnung wieder zu verkaufen, kostet Zeit und Geld.

Was ist beim Kreditgespräch mit der Bank oder dem Kreditmakler zu beachten?

Lausecker: Unbedingt mehrere Angebote einholen und den Kredit nicht automatisch bei der Hausbank abschließen. Kreditkonditionen sind Verhandlungssache. Zinsen von knapp über zwei Prozent sind derzeit realistisch.

Muss es unbedingt eine neue Wohnung sein?

Lausecker: Muss es nicht. Gebrauchte Wohnungen kosten weniger. Und für Sanierungen gibt es Förderungen. Vielleicht ist man auch selbst handwerklich geschickt. Natürlich muss man sich den Zustand einer gebrauchten Wohnung genau ansehen.

Maria Föger, unsere zweite Interviewpartnerin, ist bei der Hypo Tirol Bank mit Immobilienkäufen beschäftigt. Auch sie betont die Wichtigkeit des Eigenkapitals.

Wie viel Geld sollte man angespart haben, so man eine Wohnung kaufen will?

Föger: 25 bis 30 Prozent des Kaufpreises sind zu empfehlen. Bei einer Wohnung um 300.000 Euro wären das also zwischen 75.000 und 90.000 Euro an Eigenmitteln.

Zum Kaufpreis kommen noch die Nebenkosten. Wie hoch sind diese?

Föger: Die Nebenkosten können bis zu 11 Prozent des Kaufpreises betragen. Darin enthalten sind die Grunderwerbsteuer, die Eintragung ins Grundbuch, Vertragskosten und Maklerprovision.

Wie hoch sollte die monatliche Rate für die Kreditrückzahlung maximal sein?

Föger: Ideal wäre es, wenn die Kreditrate so hoch ist wie jener Betrag, den man üblicherweise für eine Wohnung an Miete bezahlen müsste. Vom Haushaltseinkommen sollte maximal ein Drittel in den Kredit fließen.

Wie kann man allfällige Risiken während der Kreditlaufzeit absichern?

Föger: Passieren kann immer etwas. Eine Lebensversicherung oder eine Versicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ist anzuraten.