Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.07.2017


Bezirk Imst

Mehr Nächtigungen in weniger Betten

Bei der Gemeindeversammlung in Wenns war der Tourismus zentrales Thema. Die Meinungen über Förder- und Zuwachsbedarf klaffen auseinander.

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© Agnes Dorn



Von Agnes Dorn

Wenns – Am Freitagabend lud Bürgermeister Walter Schöpf zur Gemeindeversammlung. Doch auch wenn es offensichtlich war, dass einige Wenner – allen voran Werner Dobler, der Sprecher der Bürgerinitiative – dem geplanten Bau von 16 bis 19 Chalets im Wenner Weiler Bichl weiterhin äußerst ablehnend gegenüberstehen, blieb die Veranstaltung unterm Strich doch eine durchaus produktive Zusammenkunft. „Ich finde das positiv, wie du das heute machst“, zeigte auch Dobler seine Zustimmung zum Ablauf der Veranstaltung.

Nachdem die Besucher die Möglichkeit nutzten, Verbesserungsvorschläge einzubringen, stellte Schöpf den aktuellen Stand des Regionalwirtschaftlichen Förderprogramms vor, das dem Pitztal in den nächsten zehn Jahren zehn Millionen Euro Förderung bescheren wird (die TT berichtete). Neben dem Steinbockzentrum in St. Leonhard sollen weitere „Leuchtturmprojekte“ den Tourismus ankurbeln. Mit der Stärkung von regionalen Betrieben auch außerhalb des Tourismus, der Förderung der Landwirtschaft und der Kinderbetreuung soll die Abwanderung der Bevölkerung gestoppt werden. Auch das geplante Chaletdorf in Wenns soll laut Befürwortern die prekäre Situation im Tourismus und den Bettenschwund im Tal entschärfen.

Doch wie schlecht steht es wirklich um die Arbeits­plätze und den Tourismus im Tal? Eine Frage, bei der sich die Fronten, TVB und Gemeinde versus Bürgerinitiative, nicht einig werden: „Der Bürgermeister sagt, es leben 70 bis 80 Prozent vom Tourismus. Eigentlich sind es aber 25 bis 30 Prozent“, sieht Martin Dob­ler die Bedeutung des Fremdenverkehrs weniger ausgeprägt als von offizieller Seite attestiert. Und auch der über 20-prozentige Bettenrückgang, der vom Tourismusverband und der Gemeinde als Argument für stärkere Investitionen in den Tourismus verwendet wird, sei so nicht richtig: „Wir hatten 2016 das drittstärkste Ergebnis seit Aufzeichnungen, wie die Zahlen der Statistik Austria belegen. Nur in Arzl hat es ein Minus von 22.000 Nächtigungen gegeben. In Wenns haben wir ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, wertet Dobler das Nächtigungsplus neben dem stets herangezogenen Bettenrückgang als wertvolleren Indikator zur Beurteilung des Ist-Zustands.

Die Frage nach der Bedeutung des Fremdenverkehrs und seinem Förderbedarf wird die Wenner auch in den nächsten Jahren noch begleiten, speziell wenn es darum geht, welche Projekte im Rahmen des Regionalwirtschaftlichen Förderprogramms eingebracht werden. Bei den demnächst stattfindenden Arbeitsgruppen auf Gemeinde­ebene werden die Pitztaler die Möglichkeit haben, am Entwicklungsprozess ihrer Regio­n selbst mitzuarbeiten.

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