Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 17.07.2017


Bezirk Schwaz

Die Zillertalbahn liebäugelt mit Wasserstoffantrieb

Oberleitung oder Brennstoffzelle? Bis Jahresende wird entschieden, ob im Zillertal die weltweit erste Wasserstoff-Schmalspurbahn kommt.

© zillertaler verkehrsbetriebe



Von Angela Dähling

Jenbach – Der Fahrplan steht. Bis Jahresende wird feststehen, mit welchem Antriebssystem die Zillertalbahn in die Zukunft fährt. In der zweiten Jahreshälfte 2018 soll die Ausschreibung erfolgen. Für 2021 steht die Auslieferung im Kalender und ab Juli 2022 die Inbetriebnahme.

Antrieb via elektrischer Oberleitung oder per Wasserstoff-Brennstoffzelle? Mit dieser Frage beschäftigen sich Vorstand Helmut Schreiner und Bahnbetriebsleiter Hannes Obholzer eingehend. „Die Zillertaler stehen der Oberleitung eher kritisch gegenüber. Die nötigen Strommasten will man dort nicht“, weiß Obholzer. Vorstand Schreiner reiste daher u. a. ins norddeutsche Buxtehude, um sich auf der dortigen Teststrecke über den Wasserstofftriebzug Coradia iLint schlauzumachen. Geräusch- und emissionsfrei erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, wobei 180 kg Wasserstoff für 600 km reichen. „Damit wäre die Vorgabe des Landes, die Fahrstrecke von Mayrhofen nach Innsbruck auf unter eine Stunde zu bringen, machbar“, sagt Obholzer. Die Zillertalbahn würde dann rund 80 km/h fahren. Das System ist allerdings noch relativ neu und wenig erprobt. „Diese Innovation würde uns daher u. a. EU-Fördergelder bescheren. Allerdings stellt sich die Frage, ob uns die Betriebskosten da nicht überrollen“, gibt Obholzer zu bedenken. Bei den zu erwartenden Investitionskosten liegt die Wasserstoffvariante mit rund 81 Mio. Euro über dem Elektroantrieb mit Oberleitung (73 Mio. €). Mit Wasserstoff könnte man Vorreiter werden: durch die Entwicklung der weltweit ersten Wasserstoff-Schmalspurbahn. Aber wie gesagt: Noch ist keine Entscheidung gefallen.

- Dähling

Was Obholzer freut: „Der neue zweite Vorstand Helmut Schreiner und auch der neue Aufsichtsratsvorsitzende Franz Hörl sorgen dafür, dass jetzt zügig was weitergeht.“

Auch in Sachen Bergbahn-Anbindung ist viel passiert. Eine Trassenstudie und Planung für die Anbindung der Zeller Bergbahn in Rohrberg wurde in Auftrag gegeben. Die neue Trasse würde ab Aschau direkt am Ziller verlaufen. „Es wird geprüft, ob die Trasse links- oder rechtsseitig zwischen Zillertalstraße und Fluss möglich ist“, informiert der Bahnexperte. Sechs Bahnkreuzungen könnten so aufgelassen werden, die sonst technisch gesichert werden müssten. Auch eine verbesserte Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen sei dann möglich. „Eine neue Zillerbrücke wäre nötig, auf der dann mit 80 km/h gefahren werden kann. Die denkmalgeschützte Brücke bei Zell, die mit 35 km/h passiert wird, könnte dann Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung gestellt werden“, sagt Obholzer. Bis Ende des Jahres soll feststehen, wie die Trasse zur Bergbahn verlaufen soll.

Eine Trassenverlegung Richtung Ziller ist auch auf 600 Metern Länge beim Campingplatz in Kaltenbach geplant, weil die dortige Kreuzung nicht gesichert werden kann. Zwei Eisenbahnkreuzungen in Ried (Bahnhof, Sportplatz) und eine in Aschau (Fischerhäusl) werden indes um je 250.000 Euro gesichert. Die Schienenschwellen und das Schotterbett zwischen Jenbach und Strass werden im Herbst erneuert, was im Frühjahr ja bereits zwischen Uderns und Ried geschehen ist. Zudem wird der Bahnhof in Schlitters erneuert und dann ähnlich wie jener in Aschau aussehen, der gerade fertig gestellt wurde. Ein überdachter, barriere­freier Bahn- und Bussteig, Blindenleitsystem, kostenloses WLAN, Snack- und Getränkeautomat u. v. m. sorgen hier jetzt für mehr Komfort.