Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.07.2017


Innsbruck

Pema-Chef fordert fairen Wettbewerb am Hotelmarkt

Markus Schafferer ärgert sich über „Bedrohungsszenarien“ ob des ge­planten Hotels in Innsbruck. Tourismusberater sieht hohen Bettenbedarf.

© Andreas Rottensteiner / TT



Von Denise Daum

Innsbruck – Das geplante 220-Zimmer-Hotel in der Innsbrucker Südbahnstraße 1 sorgt für heiße Diskussion. Wie berichtet, soll nahe dem Hauptbahnhof Markus Schafferers drittes Pema-Objekt entstehen, das neben Büroflächen und einer öffentlichen Skybar ein Motel-One-Hotel vorsieht. Zuletzt zeigten sich Mario Gerber, Obmann Hotellerie in der Wirtschaftskammer, und der Innsbrucker Hotelier und stellvertretende TVB-Obmann August Penz entsetzt über die „viel zu hohe Zimmeranzahl“ und forderten eine Limitierung auf 160 Zimmer. Auch Stadt-ÖVP-Chef und Tourismusstadtrat Franz X. Gruber hält das geplante Hotel für „überdimensioniert“ und befürchtet dadurch einen Preisverfall.

Irritiert über die skizzierten „Bedrohungsszenarien“ zeigt sich Investor Markus Schafferer. „Bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Tiroler Wirtschaftskammer die Interessen aller Wirtschaftstreibenden im Land vertritt und nicht nur eine kleine Klientel bedient.“

Schafferer ist überzeugt davon, dass ein neuer Hotelanbieter den Markt belebt und die bestehenden Betriebe motiviert, zu investieren und die Qualität zu verbessern. „Ich gehe davon aus, dass sowohl die Stadt-ÖVP als auch die Wirtschaftskammer nach wie vor Anhänger der freien Marktwirtschaft sind und so einen fairen Wettbewerb fördern“, erklärt Schafferer.

Über das Argument von Tourismusstadtrat Franz X. Gruber, dass derart viele Betten nicht in die Hand eines einzelnen Anbieters gehören, kann Schafferer nur den Kopf schütteln: Die Familie Stiebleichinger habe 680 Zimmer, Familie Penz mit dem im Bau befindlichen Hotel in der Maria-Theresien-Straße 358 und Familie Ultsch mit dem geplanten Hotel nahe des Wifi 215 Zimmer. „Es kann nicht sein, dass sich drei Familien den Innsbrucker Hotelmarkt teilen und mithilfe von Kammer und Stadt-ÖVP internationale Mitbewerber abhalten wollen“, ärgert sich Schafferer.

Der Tourismusberater und langjährige Bundesobmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, Klaus Ennemoser, kann die Sorgen der heimischen Hoteliers nicht nachvollziehen. Er hat im Auftrag der Pema-Gruppe im vergangenen Jahr eine Studie zum Hotelmarkt in Innsbruck erstellt. Dabei kommt er zu einem ähnlichen Ergebnis wie auch die „Markt- und Potenzialanalyse“, die im Auftrag der Stadt Innsbruck erstellt und im April dieses Jahres vorgelegt wurde. „Innsbruck hat einen Bedarf von weit über 1000 Zimmern“, erklärt Ennemoser. „Die geplanten 220 Zimmer gefährden niemanden.“ Im Vergleich zur Stadt Salzburg habe Innsbruck gar ein Manko von rund 6000 Betten.

Einen Preisverfall durch die Ansiedelung der Hotelkette befürchtet Ennemoser keinesfalls. Motel One sei nicht erfolgreich, indem Zimmer verschenkt werden.