Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.08.2017


Exklusiv

Tiroler Firma will Uber des Lernens werden

Firmen geben 40 Milliarden Euro für Weiterbildung aus. Lerneinheiten am Handy sollen die Kosten senken.

© Getty Images(Symbolbild)



Innsbruck – Mit wachsender Wichtigkeit von Aus- und Weiterbildung im Job steigen auch die Kosten für Unternehmen. „Alleine in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) belaufen sich die Ausgaben für berufliche Weiterbildung pro Jahr auf rund 40 Milliarden Euro“, sagt der Innsbrucker Unternehmer Dieter Duftner. Milliarden, die häufig nicht effizient eingesetzt würden.

„50 Prozent der Weiterbildungskosten sind indirekte Kosten, etwa für Anfahrt und Übernachtung“, erklärt Duftner. Auch die übrigen 20 Milliarden würden nicht nachhaltig eingesetzt. „Wenn es keine weitere Verwendung des im Seminar erlernten Wissens gibt, sind laut Studien nach 30 Tagen nur zehn Prozent des vermittelten Wissens im Gedächtnis.“

Er habe deshalb über ein Lernkonzept nachgedacht, das „billiger und vor allem effizienter“ sei. Statt langen Lerntagen im Seminarhotel setzt Duftner mit seinem Institut für Microtraining auf kleine Lernhappen. Neben halbtägigen Lerneinheiten mit Trainern im Unternehmen werden die Lerninhalte auch via Lernapp vermittelt. „Außerdem können Mitarbeiter im Quizduell die Lerninhalte spielerisch erarbeiten“, sagt Duftner. Da die Mitarbeiter so immer wieder mit den Inhalten beschäftigt seien, würden sich diese auch besser in das Gedächtnis einprägen. Die Trainer arbeiten dabei wie etwa Fahrer beim Fahrdienst Uber auf selbstständiger Basis. Die von ihnen erstellten Lerninhalte können sie über eine Internetplattform weitergeben. Wenn deren Inhalte andere Konzerne verwenden wollen, werden die Trainer am Umsatz beteiligt.

„Das Lernkonzept Microtraining kann auf alle möglichen Inhalte ausgeweitet werden“, erklärt Duftner. Ein Projekt mit der öffentlichen Hand sei bereits in Planung.

Im Jahr 2010 gründete Duftner das Institute of Microtraining in Innsbruck, 2013 expandierte das Unternehmen in die deutschsprachigen Nachbarländer. In Tirol zählt das Institut Firmen wie den Schleifmittelspezialisten Tyrolit oder den Farbenkonzern Adler Lacke zu seinen Kunden. „Wir haben unsere Methode auch schon an Konzerne verkauft. Diese erstellen die Lerninhalte, die sie benötigen, selbst“, sagt Duftner.

In der DACH-Region gibt es bereits 30 selbstständige Partner mit rund 250 Trainern. Auch in England, Rumänien und den Niederlanden ist man bereits tätig. „Bis Ende 2018 wollen wir 1000 Trainer haben“, sagt der ausgebildete Bildungsmanager.

Das Institute of Microtraining beschäftigt in Innsbruck sieben und am zweiten Standort in Köln 15 Mitarbeiter. Der Umsatz belief sich laut Duftner im vergangenen Geschäftsjahr auf 1,3 Mio. Euro. (ecke)