Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.10.2017


Bezirk Schwaz

Schwazer Tourismusverband: „Brauchen Mut zu klarerem Profil“

Der Führungswechsel im TVB Silberregion Karwendel war turbulent. Die neue Geschäftsführerin räumt auf und will die Region nach vorne bringen.

© Eva-Maria FankhauserDie neue TVB-Geschäftsführerin Andrea Weber (r.) präsentierte sich mit ihrem Team im einheitlichen Dirndl.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Sie wird als das „Goldstück der Silberregion“ bezeichnet. Die Rede ist von Andrea Weber, der neuen Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Silberregion Karwendel. Weber ist seit Juni an der Spitze und schon jetzt bekannt für ihre klare Linie. Und die sei bitter nötig gewesen, wie Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Jenewein bei der TVB-Vollversammlung am Dienstag erklärte.

Zwölf Jahre lang war zuvor Markus Schmidt der Geschäftsführer. Anfang Juni war damit plötzlich Schluss. Für viele unerwartet. „Nach zwölf langen Jahren hatten wir einen etwas turbulenteren Wechsel in der Geschäftsführung“, gesteht Jenewein. Doch es habe ein neues Gesicht gebraucht, eine neue Perspektive. „Man muss nicht nur im Betrieb arbeiten, sondern auch am Thema. Denn mit Mut und überlegtem Handeln erreicht man mehr“, sagte Jenewein. Eine Neuausrichtung war nötig. Schmidt trat als langjähriger Geschäftsführer zurück. Kein leichter Schritt. Laut Jenewein sei es zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen.

Seit Weber ins TVB-Büro in Schwaz eingezogen ist, hat sich dort einiges getan. Laut Jenewein habe man sich zuerst von Altlasten befreit und „vieles ausgemistet“. Dann folgte ein „optisches Fresh-up“, sprich, das Büro wurde verschönert und modernisiert. Das war für Weber aber noch lange nicht genug. „Wir müssen die Mitglieder des Verbandes stärken, unser Alleinstellungsmerkmal mehr herausarbeiten und Kompetenzschwerpunkte setzen. Wir brauchen Mut zu einem klareren Profil“, sagt Weber.

Konkret wird derzeit an einer interaktiven Wegekarte gearbeitet. „Wir wollen alle Wanderwege digital erfassen. Hier müssen wir aber auch eine Offensive starten, wenn es darum geht, die Wege zu sanieren und aufzuwerten“, so Weber. Sie sieht auch ein Potenzial in Winterwanderwegen und dem Inntalradweg. Zudem zähle man österreichweit zu den Regionen mit den meisten Rodelbahnen. „Insgesamt 16 Stück haben wir in der Silberregion. Da müssen wir jetzt abklären, wie die rechtliche Situation ist und ob auch alle benutzt werden können“, erklärte Weber. Angebote wie dieses gehören laut ihr forciert und ausgearbeitet.

Alles neu, heißt es auch beim Marketing bzw. der Kommunikation nach außen. Plötzlich ist die Silberregion auf allen Social-Media-Plattformen vertreten. Ein Muss für die neue Geschäftsführerin. Sie will zudem die Homepages der Hotels und Vermieter entstauben und mit Geodaten, servicierten Angeboten und Filmen aus der Region aufpeppen.

Was eine erfolgreiche Destination ausmacht, weiß Hubert Siller vom MCI Innsbruck genau: „Die Dienstleistungskette muss funktionieren, sprich, die Destination muss wie ein Resort aufgebaut werden und sich spezialisieren.“ Zudem sei die Silberregion noch nicht homogen genug, also zu wenig einheitlich. Zudem brauche es ein gemeinsames Führungsnetzwerk. Laut einer Studie des MCI zeigt sich, dass knapp ein Prozent aller Nächtigungen in Tirol im Vorjahr in Schwaz gebucht wurden. Besonders Stans, Vomp und Weerberg sind bei den Gästen beliebt. „Ihr gehört’s aber auch zu einer Region, wo die Betten zurückgehen. Das ist vor allem im Privatzimmerbereich spürbar“, sagt Siller. Innerhalb von zehn Jahren sei die Bettenanzahl um sieben bis acht Prozent gesunken. Der Umsatz sei aber relativ konstant geblieben. Laut Jenewein liegen die Nächtigungszahlen mit einer Hochrechnung für die restlichen Monate heuer bei 428.000. Das ist ein Minus von 1000 Nächtigungen im Vergleich zum Vorjahr.

Das Bilanzergebnis liegt zudem im Minus und zwar um 138.786 Euro. „Auf dem Papier ist es ein Minus, aber man muss es positiv sehen. Wir haben das Geld eben verwendet“, sagt Jenewein. Im Vorjahr habe man einen Überschuss erwirtschaftet. „Der ist nun quasi aufgebraucht“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. Ausreichend Rücklagen seien noch vorhanden.