Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.10.2017


Bezirk Schwaz

Karwendler Hüttenprojekt verschlingt 6,3 Mio. Euro

Die Sanierung der Falkenhütte im Karwendel reißt ein tiefes Loch in die TVB-Statistik. Rund 15.000 Nächtigungen gehen verloren.

© DAVDas Hauptgebäude der Falkenhütte bleibt bestehen. Der Quertrakt wird aber komplett erneuert.Visualisierung: DAV, Sektion München & Oberland



Von Eva-Maria Fankhauser

Hinterriß – Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf die Laliderer Wände. Darunter liegt die bekannte Falkenhütte. Doch derzeit gehen dort keine Wanderer aus und ein. Die Hüttentür ist geschlossen. Eingebettet zwischen dem kleinen und großen Ahornboden auf der Wanderroute quer durchs Karwendel gelegen, nächtigen jährlich rund 7500 Wanderer in der Hütte.

Die Bettenzahl des TVB Silberregion Karwendel sinkt – die TT berichtete. Zudem fallen in den kommenden zwei Jahren weitere Nächtigungen weg. Denn die auf 1848 Metern gelegene Falkenhütte muss saniert werden. Die umfangreichen Arbeiten dauern voraussichtlich bis 2019. Spätestens zum Saisonsstart 2020 soll das beliebte Wanderziel wieder eröffnet werden. „Die Falkenhütte liegt auf einer unserer Hauptwanderrouten. Das wird eine große Herausforderung für uns, da zählt jede Nächtigung“, sagte Andreas Jenewein, Aufsichtsratsvorsitzender des TVB, bei der jüngsten Sitzung.

Das Hauptgebäude der Falkenhütte bleibt bestehen. Der Quertrakt wird aber komplett erneuert.
- Visualisierung: DAV, Sektion Mün

Die Hütte gehört dem Deutschen Alpenverein (DAV) Sektion Oberland und steht großteils unter Denkmalschutz. Für die Sektion ist die Generalsanierung der Hütte eines der größten Projekte überhaupt. Die Kosten werden laut Pressesprecher Joachim Burghardt auf rund 6,3 Mio. Euro geschätzt. Der Hauptkörper der Falkenhütte bleibt in seiner Form bestehen, nur Bauwerkschäden werden repariert. Das Horst-Weis-Haus wird aus baulichen und brandschutztechnischen Gründen hingegen abgerissen und neu aufgebaut. Auch ein Zubau ans Technikgebäude ist geplant. Der Quertrakt der Falkenhütte wird durch einen größeren Bau ersetzt. Hier sollen dann ein Lager, Sanitärräume, die Pächterwohnung und die neue Küche Platz finden. Die Küche wird zum Gastraum umfunktioniert. Dadurch bietet die Hütte dann auch genauso vielen Besuchern Platz, wie es Betten gibt. Die Energieversorgung ist mit Ökostrom geplant. Dafür wird ein über sechs Kilometer langer Strom­anschluss aus der Eng zur Hütte verlegt. Die Bettenanzahl von 158 Schlafplätzen wird nicht erweitert.

„Derzeit stehen die Stabilisierung der Zufahrtswege, Erdarbeiten im Hüttenbereich und das Ausräumen der Gebäude auf dem Programm“, sagt Burghardt auf TT-Anfrage. Damit man auf Hubschrauberflüge großteils verzichten könne, müsse noch die Straße für die Transporte ausgebaut werden. „Es müssen ja große Geräte anrücken, dazu muss die Straße erst einmal fit gemacht werden“, sagt Burghardt.

Wanderer und Hütten­freunde können sich im Neubau verewigen. Als Finanzierungsstütze hat der DAV nämlich eine Bausteinaktion gestartet. Ab einer Spende von 100 Euro erhält der Spender eine Tonscheibe mit seinem Namen an der künftigen Ehrenwand in der erneuerten Stube.