Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.10.2017


Exklusiv

Med-El will nach Knick wieder zulegen

Der Tiroler Hörimplantate-Produzent setzt in neuem Innsbrucker Werk auf Roboter und 60 bis 120 neue Jobs.

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© Med-El



Von Max Strozzi

Innsbruck – Im Frühsommer 2018 sollen die ersten Mitarbeiter in das neue Werk in Innsbruck einziehen, erklärt Ingeborg Hochmair, Chefin des Tiroler Hörimplantate-Herstellers Med-El. Zunächst würden in dem neuen Büro- und Laborgebäude aber fast keine neuen Jobs entstehen, sagt sie. „Insgesamt werden in dem Werk letztendlich 300 Leute sein, die aber nicht alle neu eingestellt werden. Es ziehen viele Leute ein, die derzeit intern woanders arbeiten“, sagt Hochmair: „In dem Gebäude kommen auch Fertigungsroboter zum Einsatz. Man muss auf Automatisierung setzen, wenn man hier bleiben will“, sagt die Med-El-Chefin. Trotzdem soll in Summe der Mitarbeiterstand am Standort Innsbruck – dort arbeiten etwa 1200 Mitarbeiter (aus 58 Nationen) der weltweit 1800 Beschäftigten – wie jedes Jahr erneut um fünf bis zehn Prozent wachsen, betont Hochmair. Das würde 60 bis 120 neuen Jobs entsprechen. Fachkräfte zu finden, sei derzeit nicht das brennendste Thema. „Manche Schwierigkeit gibt es, wenn wir nach Mitarbeitern mit Spezialausbildungen suchen. Wir suchen dann zwar etwas länger, aber wir finden sie.“

Derzeit ist Med-El in Europa die Nummer eins, weltweit klar die Nummer zwei (hinter Cochlear). „Weltweit Nummer eins zu werden ist zwar ein Ziel“, sagt Hochmair. In erster Linie gehe es aber darum, dass mehr Menschen Zugang zu Hörimplantaten erhalten. Viele jener Kinder, die taub geboren werden, würden in wenig entwickelten Ländern leben. Daher gehe Med-El stärker auch in afrikanische Länder. „Wir wollen dazu beitragen, dass die im Jahr 2020 taub geborenen Kinder noch vor dem fünften Lebensjahr ein Hörimplantat bekommen können“, so Hochmair. Auch die Weltgesundheitsorganisation habe die Behandlung von Hörverlust aufgestuft. „Die Kosten von unbehandeltem Hörverlust sind weit höher als von behandeltem Hörverlust“, sagt die Med-El-Chefin.

Mittlerweile sei Med-El in 117 Ländern vertreten, neuerdings auch in Schweden, Norwegen und Dänemark. Im vergangenen Geschäftsjahr (bis November 2016) verzeichnete der Med-El-Konzern einen Umsatzrückgang von zuvor 305 Mio. auf 300 Mio. Euro. Der Vorsteuergewinn halbierte sich gegenüber dem Jahr davor auf 22 Mio. Euro. Grund dafür sei einerseits die Verschmelzung mit der Tochter Vibrant („dabei muss man den Lagerbestand zurückkaufen“), andererseits der Ausfall eines Großauftrags in China. „Chinas Regierung kauft jedes Jahr Implantate ein. Heuer haben wir diesen Auftrag wieder erhalten“, erklärt Hochmair. Im laufenden Jahr erwarte man daher wieder ein Umsatzplus.




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