Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.10.2017


Standort Tirol

Handwerk und Gewerbe hinken in Tirol hinterher

© istockJeder vierte Betrieb erwirtschaftet keinen Gewinn.Foto: iStock



Innsbruck – „Wir fahren zwar nicht auf dem Pannenstreifen, aber auf der Überholspur sind wir auch nicht“, meint Walter Bornett, Direktor der KMU-Forschung Austria, zur Situation von Handwerk und Gewerbe in Tirol. So stiegen die Auftragseingänge und Umsätze von Jänner bis Juni zwar um rund 1,9 Prozent, lagen damit aber deutlich hinter der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit rund drei Prozent Wachstum. Das dritte Quartal brachte zwar eine Verbesserung, doch speziell in den konsumnahen Branchen stehe die Stimmung auf der Kippe. Denn die Zahl jener Betriebe, die den Umsatz steigern konnten, habe abgenommen. Zu denken sollte laut Bornett auch geben, dass jeder vierte Betrieb keinen Gewinn erwirtschafte. Er sieht ein starkes Auseinanderdriften zwischen erfolgreichen und nicht erfolgreichen Unternehmen.

Für den Wirtschaftskammer-Spartenobmann Georg Steixner gibt es mehrere Gründe für das schwache Wachstum. Hauptgrund sei der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Insgesamt würden rund 3000 Fachkräfte fehlen. Steixner sieht die öffentliche Hand stärker gefordert. So solle unter anderem die Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit vom Staat bezahlt werden, gleichzeitig soll die Ausbildung zum Meister mit einer Art Stipendium gefördert werden. Abseits der Bildung spricht sich Steixner für eine Steuersenkung und die Abschaffung der kalten Progression aus. Zudem müssten Investitionen mit steuerlichen Anreizen wieder angekurbelt werden.

Walter Bornett meint in diesem Zusammenhang, dass vom bisherigen Fördersystem vor allem große Betriebe profitiert hätten. Er schlägt deshalb eine Differenzierung nach Betriebsgröße vor. (hu)




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