Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Bezirk Schwaz

Jenbacher sehen für Bahn schwarz

Für die einen ist sie ein Stück Heimatgeschichte. Für die anderen eine stinkende „Drecksschleuder“. Der Ruf nach Elektrifizierung der Achenseebahn wird immer lauter. Bis dato fehlen aber die Mittel dazu.

© Gubert-HeideKnapp 16 Mio. Euro sind nötig, um die Sanierung der Gleisanlagen und die Elektrifizierung der Achenseebahn zu ermöglichen.Fotos: Gubert-Heide, Zwicknagl



Von Eva-Maria Fankhauser

Jenbach – Dunkle Wolken ziehen in Jenbach auf. Um genau zu sein: dunkle Rauchwolken von der Achenseebahn. „Es stinkt, die Staubbelastung ist enorm und aus den Rauchschwaden geht gelb-grauer Dreck nieder“, schildert Gertraud Gubert-Heide. Sie hat die Nase voll von der „Drecksschleuder“ und will, dass sich endlich etwas tut.

„Es ist mir unverständlich, wie den Leuten so etwas heutzutage zugemutet werden kann“, sagt die Jenbacherin. Es gebe zwar immer wieder Anrainer, die sich beschweren, aber bei den zuständigen Stellen auf Granit beißen würden. Gubert-Heide wundert sich, dass sich nicht längst eine Bürgerinitiative formiert hat. Immerhin ist sich die Ärztin sicher, dass der schwarze Rauch auch gesundheitliche Auswirkungen auf die Anrainer habe. „Ich habe zwar keine belegten Zahlen, aber bei diesem Dreck sind Atemwegsbeschwerden nicht auszuschließen“, meint Gubert-Heide. Die Elektrifizierung müsse dringend her. „Wenn der Wind aus Osten kommt und man am Morgen das Fenster öffnet, den Geruch von Schwefel einatmet, dann weiß man, dass man in Jenbach ist“, meint ein Anrainer. Weiters sorgen sich die Jenbacher um die hohe Anzahl der „qualmenden, stinkenden und lärmenden Fahrten“.

Es wurden in den letzten Jahren Initiativen gesetzt, um die Umweltbelastung zu senken. „Davon spürt man aber wenig“, stellt Gubert-Heide klar. Das ist auch Hermann Weratschnig (Grüne) bewusst. Für ihn ist nur die Elektrifizierung der Bahn zielführend. Diese scheitert aber an den Kosten. Laut Achenseebahn-Direktor Georg Fuchshuber würde die Umstellung der Bahn auf elektrischen Betrieb rund fünf Mio. Euro kosten. Dazu komme aber noch die Gleissanierung auf der gesamten Strecke. „Daher braucht man die Bundesmittel aus dem mittelfristigen Investitionsprogramm (MIP), die der Bahn seit Jahren fehlen, da sie seit 2015 nicht mehr im Programm ist“, sagt Weratschnig. Das MIP unterstützt öffentliche Verkehrsmittel und keine touristischen Bahnen. Daher fällt die Achenseebahn im Investitionsprogramm (2015–2019) um mehrere Millionen Euro um. Das Land und die Gemeinden könnten die Elektrifizierung laut Weratschnig nicht stemmen. „Der Bund hat sich still und heimlich aus der Verantwortung geschlichen. Die Achenseebahn kann durch die Elektrifizierung die Aufgabe eines öffentlichen Beförderungsmittels übernehmen. Mit Rauch, Dampf und Gestank ist allerdings die Zukunft nicht gesichert, sondern die Gesundheit der Anrainer gefährdet“, sagt Weratschnig.

Die Achenseebahn ist finanziell gesehen in einer schwierigen Lage – das ist Fuchshuber klar. Mit den fünf Mio. Euro für die Fahrleitungsanlage sei es noch lange nicht getan. „Bevor das gemacht wird, müssen die Gleisanlagen erneuert werden. Das Steilstück etwa ist bis zu 128 Jahre alt“, erklärt er. Ohne die Sanierung könne auch keine moderne Bahn auf den Gleisen fahren. Die Kosten dafür schätzt Fuchshuber auf rund 11,7 Mio. Euro. „Wenn man die Strecke erneuert und die Elektrifizierung folgt, dann könnten wir 150 Sitzplätze anbieten, die Fahrtzeit würde sich auf zwölf Minuten halbieren und im Winter gäbe es dank Zahnradbahn keine Verzögerungen“, sagt er. So könnte man Versorgungslücken im Achental schließen. Er will die Hoffnung auf Subventionen nicht aufgeben.