Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Tirol

Möbel-Wettlauf: Kika/Leiner möchte Expansion in Tirol

Kika/Leiner-Chef Gunnar George will einen zweiten Leiner und ein Logistikzentrum in Tirol. Österreichs Möbelmarkt sei extrem umkämpft.

© KikaLaut Kika/Leiner-Chef Gunnar George ist der österreichische Möbelmarkt noch weit härter umkämpft als der deutsche.



Wien, Innsbruck – Vor vier Jahren hatten die drei Eigentümerfamilien (federführend war die Familie Koch) Kika/Leiner an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe verkauft, vor über zwei Jahren übernahm der Deutsche George das Ruder bei der Möbelgruppe. Herausforderungen fand der frühere Zehnkämpfer genügend vor: Österreichs Möbelmarkt sei der am heißesten umfehdete Europas, sagt George zur TT.

„Insgesamt ist die Verkaufsfläche, gemessen an der Bevölkerung, zweieinhalb Mal so groß wie in Deutschland.“ Und die Branche ist auch extrem konzentriert: Während in Deutschland die sechs Branchengrößen zusammen auf ein Drittel Marktanteil kommen, haben in Österreich die drei Größten XXXLutz (etwa 35 Prozent), Kika/Leiner (25 Prozent) und Ikea (15 Prozent) gleich 75 Prozent Anteil. Tirol hat eine Sondersituation, weil es hier noch starke regionale Anbieter wie Föger und Wetscher gibt. Die Kunden seien hier auch besonders anspruchsvoll.

Kika und Leiner haben derzeit 49 Standorte in Österreich und 25 weitere Kika-Häuser in Osteuropa. Der Umsatz lag zuletzt bei 850 Mio. Euro. In Tirol hat Kika mit Innsbruck, Imst, Wörgl und Lienz vier Kika-Standorte sowie einen Leiner in Innsbruck. George sieht trotz des dicht besetzten Marktes Platz für einen zweiten Leiner in Tirol. Der Standort in Innsbruck sei wegen der Lage bisher unter den Erwartungen geblieben, man drücke hier jetzt aber aufs Gas. Ebenfalls auf dem Wunschzettel steht in Tirol ein Logistikzentrum für Tirol und Vorarlberg, so George. Offen ließ er noch, ob Tirol künftig auch als möglicher Standort für die heuer gestartete Diskont-Schiene Lipo (derzeit je einer in Nieder- und Oberösterreich) in Frage kommt.

George sieht Kika/Leiner als „Golf der Möbelhändler“, der die breite Masse der Kunden ansprechen wolle. Zum weit überwiegenden Teil entscheiden die Frauen, ob und was gekauft werde. Eine Riesenherausforderung sei die Logistik: Ikea habe „tolle Lebenswelten“, biete aber an den Standorten nur bis zu 10.000 Artikel, während ein großer Kika „100.000 Artikel aufwärts“ habe. Wenn der Kunde bestelle, habe es Ikea deshalb meist schon im Lager, während „für unsere Lieferanten der Baum erst gefällt wird“. Bei Möbeln akzeptiere der Kunde bis maximal 14 Tage Lieferzeit.

Wer erfolgreich sein wolle, brauche sowohl gute Standorte als auch einen attraktiven Onlineshop. „Wir müssen alle Kanäle hervorragend bespielen.“ (va)